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"House On Fire" - Was ist dein wertvollstes Hab und Gut?

House On Fire - Dignity Village

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"House On Fire" - Was ist dein wertvollstes Hab und Gut?

Von Noelle O’Brien-Coker

Sechs Settings, sechs Personen, die vor ihren kleinen Häusern stehen. Sie alle haben eine Aufgabe: Stell dir vor, dein Haus brennt und du hast jetzt zwei Minuten Zeit, einen einzigen Gegenstand aus dem Haus zu retten.

Viele bringen ein Erinnerungsstück, das sie an ihre Mutter erinnert. So wie Audrey, die mit einem bunt-strahlenden, gelben Rock wiederkehrt, den ihr ihre jamaikanische Mama mal geschenkt hat. In Erinnerungen schwelgend, legt sie sich den Rock an und wiegt sich tanzend hin und her.

Zwei Personen kommen mit leeren Händen aus ihrem Haus. "Ich besitze eigentlich nichts, das mir etwas wert ist, nur austauschbare Dinge. Meine Bilder und alles, was mir wichtig ist, ist bei meiner Familie. Denn wenn ich es hier hätte, würde ich es verlieren. Ich habe schon mal alles verloren, was ich bei mir hatte." Courtney und alle anderen in "House On Fire – Dignity Village" waren nämlich einst alle wohnungslos.

House On Fire - Dignity Village

Dignity Village ist aus einer Zeltstadt hervorgegangen, die im Jahr 2000 von mehreren Wohnungslosen gegründet wurde. Sie besetzten dafür eine Fläche, die der Stadt Portland in Oregon gehört. Nach und nach wurden aus den Zelten Tiny Houses, zum Großteil mithilfe von Spenden. Auch die Stadt hat den Status des Lagers anerkannt und geschützt. Heute leben im Dignity Village rund 60 Menschen, die mal wohnungslos waren. Die Community lebt nach selbstbestimmten Regeln und hat auch eine Art Gemeinderat.

Behutsame Portraits über Materialismus und Identität

"House On Fire – Dignity Village" kommt den Menschen nah, ohne dabei voyeuristisch zu sein. Aufregende Details, wie und warum sie mal auf der Straße gelebt haben, erfahren wir nicht. Stattdessen sehen wir sechs nahbare und authentische Menschen, denen es heute gut zu gehen scheint.

Insbesondere Lisa, die sich vor der Wohnungslosigkeit aus einer gewaltvollen Ehe befreit hat: "Früher hatte ich jeweils andere Masken für alle, denen ich begegnet bin: für meinen Mann, meine Kinder, meine Freunde, für meine Mitarbeitenden. Heute bin ich ehrlich zu mir selbst und zu anderen. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum ich glücklicher bin, als ich es jemals war."

House On Fire - Dignity Village

"House On Fire – Dignity Village" ist ein behutsam gedrehtes Schlaglicht in eine Welt, die viele von uns nicht gut kennen. Nebenbei konfrontiert uns der Film mit unseren möglichen Vorurteilen gegenüber Wohnungs- und Obdachlosen und lässt uns diese infrage stellen. Dabei geht es im Grunde um Materialismus und Identität und damit um ganz universelle Botschaften. Eine davon formuliert Courtney so: "Behandle die Menschen, die dir lieb sind, besser als die Dinge, die du besitzt."

Stand: 31.07.2020, 06:00