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"Hong Kong – Eine Stadt im Widerstand"

Eine Demonstrantin protestiert am 23. Jahrestag der Rückgabe Hongkongs an China gegen das neue Sicherheitsgesetz.

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Hong Kong – Eine Stadt im Widerstand"

Von Christian Werthschulte

"Hongkong – Eine Stadt im Widerstand" zeigt eine Generation, die durch den Protest für mehr Demokratie eine neue Stimme gefunden hat.

2019 sind in Hongkong Hunderttausende Menschen, überwiegend Studierende, gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Die hatte ein Gesetz verabschiedet, das die Auslieferung von Häftlingen nach China vorsah. Der Arte-Dokumentarfilm "Hongkong-Eine Stadt im Widerstand" liefert jetzt Einblicke ins Innere der Protestbewegung.

"Wir vertreten niemanden"

Ein Jahr lang haben die Autor:innen die Protestbewegung begleitet – auf Demos und im Privatleben. Das Teenager-Paar MJ und Jessica erleben wir auf den Protesten und beim Shopping im Einkaufszentrum-  Aktivist Tan will dagegen anonym bleiben, weil er während der Proteste Vater wurde und seine Familie schützen will. Und die Jurastudentin Eve erzählt uns die Hintergründe der Proteste: "Es ist eine Bewegung ohne Anführer*innen“, sagt die Jurastudentin Eve. "Wir vertreten niemanden". Eve ist so eine Art Erzählerin im Film. Sie ordnet Situationen ein und ist selten an vorderster Front dabei. Stattdessen kommen wir ihr auf Versammlungen und in Interviews nahe – und beim Eis essen. Denn sie die Proteste mithilfe von Messengern und Videostreams, und beruhigt ihre Nerven mit einem Becher Eiscreme.

Hauptfigur Tränengas

Aber fast die größte Rolle nimmt in "Hongkong- Eine Stadt im Widerstand" das Tränengas, der Hongkonger Polizei ein, die sehr rigoros gegen die Demonstranten vorgegangen ist. Das Filmteam zeigt auf Verfolgungsjagden und,wie sich die Hauptfiguren das Tränengas aus den Augen wischen. Das hat manchmal was von einem Actionfilm, aber kann auch unglaublich emotional sein, zum Beispiel als MJ zufällig alte Freunde von den Demos wiedertrifft: "Ich fasse es nicht, dass ich ihnen begegnet bin. Auf Facebook hat es geheißen, dass sie vermisst werden. Und heute waren sie plötzlich da und es ging ihnen gut. Ich bin so glücklich."

Corona stoppt Proteste

Die Proteste waren für die Teilnehmenden ein emotionaler Ausnahmezustand. Die Polizei ging rücksichtslos gegen sie vor, aber untereinander herrschte eine riesige Solidarität. Dementsprechend groß war dann auch die Enttäuschung, als ihnen klar wurde, dass sie den Kampt für ihre demokratischen Rechte verloren haben. Die Coronapandemie hatte im Frühjahr 2020 auch die Protestwelle in Hongkong unterbrochen. Im Sommer 2020 hat die chinesische Regierung im Sommer 2020 das "Gesetz zum Schutz der nationalen Sicherheit" verabschiedet. Damit wurden die Proteste per Gesetz für illegal erklärt. Tan und MJ sind daraufhin zu Haftstrafen verurteilt worden, Jessica hat das Land verlassen. Jurastudentin Eve ist geblieben, aber sie fragt sich, ob die Rechtsstaatsprinzipien, die sie in ihrem Studium lernt, noch existieren werden, wenn sie damit fertig ist. Aber allen ist klar: Diese Proteste werden ihre Generation prägen wie kein zweites Ereignis.

Stand: 14.07.2021, 11:46