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"HERstory" - die Welt aus feministischer Sicht

Mehrere historische Bilder sind auf einem Hintergrund angeordnet, wie Polaroids auf einer Pinnwand

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"HERstory" - die Welt aus feministischer Sicht

Von Emily Thomey

Die Welt tickt sexistisch. Das ist nichts Neues. Aber wie krass die Auswirkungen für weiblich gelesene Menschen ist, ist immer wieder schockierend und wird ironisch humorvoll von "HERstory" erzählt.

Ihr kennt doch diese Plakate auf feministischen Demos, auf denen steht: "Ich kann nicht glauben, dass ich immer noch gegen diesen Quatsch demonstrieren." Oder "Same Shit, different century" - also übersetzt "gleicher Mist, anderes Jahrhundert". Es ist frustrierend, darüber nachzudenken, wie viel Ungerechtigkeit darauf zurückzuführen ist, dass weibliche gelesene Personen in unserer Gesellschaft nicht den gleichen Stellenwert haben wie männliche.

Die WDR-Doku-Reihe "HERstory" zeigt die Welt aus Sicht von Frauen und damit Geschichte, wie sie bisher geschrieben wurde mal anders. Die vier Folgen der WDR-Produktion zeigen einerseits wenig überraschend, wie und wo Frauen überall diskriminiert werden. Pro Folge setzt das Filmteam einen Fokus: Welche Stereotypen verbinden wir mit Frauen und Krieg? Wie hat sich die Deutsche Wiedervereinigung auf Frauen ausgewirkt oder was für Auswirkungen hat es, dass die Medizin sich am Mann als Norm orientiert?

Konkret führt das zum Beispiel dazu, dass es für Frauen nicht die richtigen Kunstherzen gibt, sagt Herzchirurgin Dilek Gürsoy: "Die Patienten müssen eine bestimmte Körpergröße haben, damit wir die Kunstherzen, die es momentan auf dem Markt gibt, auch da rein bekommen. Und das ist halt meistens gegeben bei einem 1,80 großen Mann, der 80 oder 90 Kilo schwer ist. Auch deswegen haben wir viele Frauen, die mit einem Kunstherz weiterleben konnten bis zu einem eventuellen Spenderherz, nicht retten können oder nicht helfen können." Das bedeutet dann, dass all diese Frauen gestorben sind.

Schon seit Ende der 60er Jahre werden Kunstherzen eingesetzt - die Dokureihe gräbt tief im Archivmaterial. Also eigentlich eine lange Zeit, um zu merken, dass es vielleicht auch kleinere Menschen gibt, denen ein Kunstherz das Leben retten würde. Aber das ist nicht der einzige Fall, in dem Frauen schlicht aus der Geschichte ausgeklammert werden und deswegen sogar sterben. Frauen tragen ein viel höheres Risiko bei Autounfällen, schwer zu verunglücken, weil Crashtests nur mit großen Dummys durchgeführt werden. Oder Herzinfarkte werden bei ihnen nicht erkannt und sie werden auch nicht ernst genommen, wie mehrere Frauen berichten: "Die Sprechstundenhilfe hat gesagt, wir sind total überlastet. Wir haben erst ab März neue Termine. Und beinahe hätte ich gesagt, okay, dann komme ich im März. Jetzt laufe ich schon so lange mit den Schmerzen rum, macht dann ja auch nichts." Oder: "Auf jeden Fall hat dann auch der Notarzt zu mir gesagt, nach dem Motto, ich soll doch jetzt mal ehrlich sein, eigentlich habe ich mich mit meinem Mann gestritten und ich bin hyperventiliert."

Es ändert sich etwas, das aber viel zu langsam, weil die meisten Entscheidungsgremien immer noch vor allem männlich besetz sind. Das gilt leider weiterhin für fast alle Bereiche. Die Dokureihe zeigt aber, dass es sich schon viele Frauen in Positionen hochgekämpft haben, in denen sie mitentscheiden können und aufzeigen können, wo überall sexistisch agiert wird. Der bissig-ironische Humor, der in der Doku-Reihe zu hören ist, tut gut, sonst lässt sich die Welt wie sie auch im 21. Jahrhundert tickt und in der Doku-Serie gezeigt wird, schwer aushalten

Stand: 18.08.2021, 06:00