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Germania Ost

Videostill: MC Bomber sitzt auf einer Treppe

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Germania Ost

Von Emily Thomey

Bomber, Sookee und Romano

In Deutschland geboren zu sein, bedeutet für viele Menschen, sich nicht nur deutsch zu fühlen. Einige fühlen sich deutsch-türkisch, andere deutsch-italienisch und manche auch ostdeutsch. Wer in der ehemaligen DDR geboren wurde, der hat eine ganz andere Kultur selbst erlebt - oder nach der Wende von den Eltern vermittelt bekommen. Wie sich das anfühlt, das erzählen drei Rapper*innen in der Webserie "Germania Ost". Bomber, Sookee und Romano sind die drei Protagonisten der Serie.

Alle drei Rapper, alle drei sehr unterschiedlich im Sound, in ihren Texten und ihren Attitüden. Aber alle drei haben Berlin kennengelernt als es noch richtig Ost- und Westberlin gab. MC Bomber ist von den dreien der jüngste, kurz nach der Wende in Prenzlauer Berg geboren. Damals war Prenzlauer Berg im Ostteil der Stadt noch richtig runtergekommen, bröckelige Fassaden, viel Leerstand. Das ist jetzt ganz anders, erzählt MC Bomber:"Ich finds jetzt nicht schöner als damals. Heute ist es eher sogar provinziell könnte man sagen. An meinem Elternhaus erkennt man ziemlich gut, was sich verändert hat hier im Kiez. Jetzt ist es einfach nur geleckt, schickimicki." Die Mieten sind gestiegen, unglaublich viele Clubs wurden verdrängt aber die Bierpreise sind stabil geblieben. Darüber freut sich MC Bomber und, dass es jetzt erfolgreiche ostdeutsche Rapper gibt - die gab es damals nicht.

Einer davon ist Romano, in dessen Texten man seine Herkunft lesen kann: "Die Mauer brechen, die Ketten reißen, ich stehe ohne Maulkorb auf dem Mittelstreifen frischer Wind in der Nase, Scorpions in Ohr, Weichspüler, Zweitakter, Schwarz-Rot-Gold auf dem Kühler." Das ist ein Ausschnitt aus dem Song "König der Hunde" von Romano. Anders als MC Bomber hat Romano die DDR selbst erlebt und die die Wende kam zum richtigen Zeitpunkt, sagt er. Er war gerade 12 als die Mauer gefallen ist und konnte dann als Teenager die richtig wilden Jahre in Berlin mitnehmen: "Wir sind dann in die Clubs - in den Walfisch, ins Exit - in die ganzen Technoclubs. Gleichzeitig hab ich auch einen Kumpel kennengelernt, bei dem Zuhause stand ein Totenkopf als Aschenbecher da und ein "Manowar"-Poster von Slayer so bin ich zum Metal gekommen, hab gleichzeitig HipHop und Rap gehört."

Alle drei sind sehr im Frieden mit sich und ihrer Ostdeutschen Herkunft. Sookee erwähnt allerdings wie krass es als Kind war als sie nach der Wende in die Schule gekommen ist. Ossi zu sein war eher etwas, was man verschwiegen hat: „Ich hab’s immer irgendwie auch als Makel empfunden, weil die Ossis sehr schnell so ein bisschen verulkt wurden als die einfachen Leute, die mit dem wenigsten auskommen und so kann man die auch behandeln.“ Aber: Sie hat schon früh gelernt, nicht auf die Meinung anderer zu hören. Mit Sicherheit auch ein Grund, warum Sookee es als Frau geschafft hat im Macho-Rap-Business Fuss zu fassen.

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Stand: 05.10.2018, 16:30