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Die Superreichen und ihr (Un)Glück

Screenshot: Hairlove

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Die Superreichen und ihr (Un)Glück

Von Emily Thomey

Sie hat sie alle fotografiert: Die reichen HipHop-Poser mit Goldketten und Bündeln voll Geld in den Händen, Hedge-Fond-Managerinnen mit riesigen Kunstsammlungen und Immobilienmogule inmitten ihrer Schlösser. Kurz gesagt: Alle, die so viel Geld haben, dass sie damit buchstäblich um sich schmeißen können.

"Generation Wealth" zeigt uns die absoluten Extreme der amerikanischen Kultur. Vor Greenfields Kamera können die Superreichen mit ihrem Vermögen so richtig angeben: Da sehen wir den Besitzer der größten Limousine der Welt, in der es einen Swimmingpool gibt und auf der sogar ein Helikopter landen kann. Wir sind in mitten eines glamourösen Stripclubs, in dem es Dollarscheine regnet, die nach der Party in riesigen Plastiksäcken weggeschleppt werden. Oder wir treffen einen chinesischen Neureichen, der sich das Weiße Haus originalgetreu hat nachbauen lassen - der exzessive Reichtum ist ja mittlerweile nicht nur in den USA zu finden, sondern genauso in China oder Russland.

Was alle Menschen vereint, die Lauren Greenfield porträtiert hat, ist: Egal, wie viel die Menschen schon haben, sagt Lauren Greenfield, sie wollen immer noch mehr.

"Generation Wealth" zeigt Fotos und Filmmaterial aus mehr als 25 Jahren. Der amerikanische Traum war immer schon die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte. Aber während es früher darum ging, Reichtum mit harter Arbeit zu erlangen, geht es seit den 70er-Jahren darum, auf Pump und so schnell wie möglich so viel wie möglich anzuhäufen, sagt der Journalist Chris Hedges: "Die 70er-Jahre waren der Wendepunkt: Wir haben angefangen mit geliehenem Geld den Lebensstil und das Imperium zu erhalten, das wir uns eigentlich nicht mehr leisten konnten. Alles hat sich weg von der Produktion hin zum Konsum verschoben."

Über allem steht der Rausch, der Instant-Kick – durch Geld, Sex, Ruhm und Drogen. Aber dieser Kick ist eben instant und kurzfristig und deshalb sickert in all die glitzernden, schönen Bilder der Kater nach dem Rausch. All diese Menschen sind letztlich Abhängige – ob von Drogen oder Geld, es ist immer eine Sucht.

Lauren Greenfield hält sich da nicht raus und bleibt nicht nur die Beobachterin mit Kamera. Das macht den Film so unfassbar gut. Lauren Greenfield begegnet ihren Porträtierten auf Augenhöhe, bekommt dadurch ganz ehrliche, ungeschönte Statements. Und lässt auch ihre eigene Sucht nicht aus: Als Workaholic war sie für ihre Familie nicht da, sagt Noah, einer ihrer Söhne: "Ich bin im Prinzip aufgewachsen, ohne dass du wirklich da warst. Das klingt schlimm, aber der Schaden ist schon geschehen."

"Generation Wealth" ist eine kluge und unterhaltsame Kritik am globalen Kapitalismus und seinen narzisstischen Auswüchsen von Materialismus, Körperkult bis hin zu Prominentenkult.

Stand: 12.02.2020, 06:00