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Die Generation 9/11

Sieben Protagonisten, sieben Schicksale. Obwohl sie alle aus verschiedenen Bundesstaaten kommen und verschiedene Ansichten haben, verbindet der Wunsch nach einer stärkeren Einheit die sieben Jugendlichen, die 2001 zur Welt kamen.

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Die Generation 9/11

Von Emily Thomey

Wer nicht mehr weiß, wo er oder sie am 11. September 2001 war, gehört ganz klar nicht zur Generation 9/11. Wie war es für alle, die nach den Anschlägen auf die USA geboren wurden? Eine Doku-Reihe trifft Teenager, die trotzdem unmittelbar betroffen sind.

Weißt du noch, wo du am 9. September warst? Die Frage kann jeder über Dreißig bestimmt beantworten. Darunter wird es vielleicht etwas schwerer, weil die Anschläge auf das World Trade Center jetzt schon zwanzig Jahre her sind. Das ist auch die sogenannte Generation 9/11, also diejenigen, deren Lebensrealität deutlich von den Anschlägen und den politischen Veränderungen seitdem geprägt wurden - vor allem in den USA.

Dorthin schaut eine Doku-Reihe von arte, die sieben Menschen getroffen hat, die die Anschläge selbst nicht miterlebt haben, aber die trotzdem unmittelbar von ihnen betroffen sind, weil sie alle ihre Väter bei den Anschlägen verloren. Alle sieben kennen ihre Väter nicht. Auch Fares, der zwar schon drei Jahre alt war, als die Twin Tower gefallen sind, aber keine eigenen Erinnerungen mehr an seinen Vater hat, weil er im Jemen aufgewachsen ist, während sein Vater schon wieder zurück in die USA gegangen war: "Nachdem der erste brennende Turm eingestürzt war, holte er den Generalschlüssel und half anderen hinaus. Bis auch der zweite Turm einstürzte. Es ist hart darüber nachzudenken. Aber wenn ich an meinen Vater denke, wie er gehandelt hat, finde ich Frieden."

Auch die anderen Väter haben als Feuerwehrmänner vor Ort geholfen oder waren entweder bei der Arbeit im World Trade Center oder im Pentagon, wo es ja auch Anschläge gab. Interessant ist, dass alle sieben relativ wenig von ihren Väter wissen oder wissen wollten, also wenig gefragt haben. Oft mit der Begründung, dass sie nur das Wesentliche wissen wollen und auch ganz bewusst nicht jedem erzählen, dass sie zu jenen 9/11-Kindern gehören. Insgesamt wurden 105 Kinder nach den Anschlägen geboren, deren Väter bei den Anschlägen getötet wurden.

Dina aus Massachusetts erzählt: "In meiner Kindheit in einer 9/11-Familie war es ganz normal, was meine Mutter tat. Oder nicht normal, aber es wurde erwartet." Dinas Mutter hat Spenden für afghanische Witwen gesammelt, deren Männer durch US-Bomben getötet wurden, weil ihr irgendwann klar wurde, dass diese Witwen so viel weniger Hilfe bekommen, als sie selbst. Eine gewisse Öffentlichkeit - also auch Einladungen zu offiziellen Veranstaltungen - kennen alle Hinterbliebenen, von denen wir auch Archivbilder sehen. Aber sonst sind die sieben sehr unterschiedlich, indem was sie für ihr Leben erreichen wollen oder welche politische Einstellung sie äußern.

Die 9/11-Kinder waren natürlich die meiste Zeit der letzten 20 Jahren noch richtig jung, aber Obama als der erste schwarze Präsident ist für einige sehr wichtig gewesen. Auch sind sie sich der unzähligen Krisen der Welt bewusst: Klimakrise, Kriege oder die Präsidentschaft von Trump - dafür sind sie erstaunlich gelassen und zuversichtlich, was sehr schön zu sehen ist. Und niemand äußert sich wütend über das, was ihnen passiert ist - was angesichts der Tragik der Umstände beeindruckend ist. Ja, es fließen Tränen, aber alle scheinen mit ihrem Schicksal letztlich versöhnt zu sein.

Stand: 03.09.2021, 06:00