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"A Sonic Pulse" - Wie fühlt sich Musik für gehörlose Menschen an?

Screenshot aus der New York Times Mediathek

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"A Sonic Pulse" - Wie fühlt sich Musik für gehörlose Menschen an?

Von Emily Thomey

"A Sonic Pulse" geht der Frage nach, wie sich Musik für Gehörlose anfühlt. Für den Musikproduzenten Richard France sind es "einfach Sounds, die dich kitzeln.“

Musik zu hören, ist für viele Menschen völlig normal. Es gibt aber natürlich auch Menschen, die Musik nicht so selbstverständlich hören. Sie sind gehörlos, haben vielleicht ein Hörgerät, was ihnen hilft, den Beat zu hören. Vielleicht fühlen sie den Beat aber auch nur.

Die Dokumentation "A Sonic Pulse" beschreibt wie gehörlose Menschen Musik produzieren. Letztlich nicht anders als Menschen, die hören können auch: Sie haben ihre Geräte und Instrumente und spielen darauf Beats und Melodien ein. Viele haben Hörgeräte oder implantierte Hörhilfen, die du von außen quasi nicht mehr sehen kann. Richard France ist Musikproduzent und beschreibt das Musikmachen so: "Meine Soundwelt ist voll von Vorstellungskraft. Du kannst die Welt vergessen. Ohne Sorgen, Kummer oder Gedanken sein. Einfach Sounds, die dich kitzeln."

Musik fühlen

Weil seine Musik und seine Erfahrung von Musik so anders ist, als die von hörenden Menschen, findet er auch, dass Musik nicht von hörenden Menschen alleine definiert werden sollte: "Wenn Menschen Musik fühlen, ist das eine ganz andere sinnliche Erfahrung als sie zu fühlen."

Als Musikliebhaber.innen gehen gehörlose Musikproduzenten natürlich auch feiern. Tatsächlich ist es für taube Menschen aber gar nicht so leicht in einen Club hereinzukommen, sagt zumindest Troi Lee. Er selbst ist DJ und hat oft erlebt, aufgrund seiner Taubheit diskriminiert zu werden: "Der Türsteher hat uns gesehen und gesagt: Ihr kommt hier nicht rein. Wir hatten alle in der Schlange Gebärdensprache benutzt. Das war einer der diskriminierendsten Momente in meinem Leben."

Deaf Raves

Also veranstaltet Troi Lee mittlerweile seine eigenen Partys. Die sogenannten Deaf Raves. Letztlich sind das Parties wie jede andere auch - nur dass hier viel mehr Menschen statt laut mitzusingen, auf Gebärdensprache mitsingen, hörende Leute die Songtexte für andere in Gebärdensprache übersetzen und das Licht gerne mal den Beat visualisiert.

Das Filmduo von "A Sonic Pulse" erzählt, dass gerade das Repetitive von elektronischer Musik hilft, sich einzulassen, wenn man sie nur spüren kann. Der tiefe, laute Bass im Techno oder House einfacher zu spüren ist als andere Klänge. Nach der Dokumentation hab ich Lust bekommen beim nächsten Mal, wenn ich tanzen zu gehe mehr auf mein Gespür zu achten, statt darauf, was ich höre - also ein sehr spannender Einblick in die Welt gefühlter Musik.

Stand: 15.01.2020, 10:30