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Die Superreichen

Screenshot: Ganz oben - Die Welt der Superreichen; ein Parkplatz mit vielen hochpreisigen Autos

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Die Superreichen

Von Emily Thomey

Deutschland war nie reicher und trotzdem wissen wir über reiche Menschen in Deutschland relativ wenig. Wirklich reiche Menschen - die Rede ist von Milliardär*innen - zeigen sich ungern. Umso schwerer ist es sie vor die Kamera zu kriegen.

Florian Opitz hat es geschafft und für arte eine Dokumentation über die Superreichen gemacht: "Ganz Oben" heißt sie und ist gerade in der arte-Mediathek zu sehen.

Warum zeigen sie sich nicht?

In der Dokumentation tauchen mehrere Antworten auf diese Frage auf: Neid und Missgunst sind ganz weit vorne - also die Sorge, dass es den Superreichen gar nichts bringt, sich zu zeigen, weil sie nur negativ wahrgenommen werden. Der Vermögensberater Christian von Bechtolsheim bringt noch andere Ängste mit ins Spiel: "Dann wird nur irgendein Verrückter auf mich aufmerksam und bricht bei mir ein. Oder entführt eines meiner Kinder. Solche Ängste sind nicht völlig unberechtigt. Dann gibt es den Punkt, dass es bei Erben manchmal auch der Fall ist, dass das Vermögen aus Zeiten stammt, das durch das dritte Reich kompromittiert ist." Also beispielsweise Zwangsarbeiter im Einsatz waren. Der Grund, der am häufigsten genannt wird, ist allerdings der negative Blick auf reiche Menschen in Deutschland, der in den USA, Russland oder China so nicht existiert.

Abgesehen von Herrn Bechtolsheim, der selbst auch sehr reich ist, spricht Opitz mit Dirk Rossmann, dem Gründer der Drogeriekette, mit Michael Otto, dessen Einzelhandel-Konzern sämtliche Waren on- und offline anbietet und Rainer Schaller, der die Fitnesskette McFit gegründet hat. Es sind also gerade mal vier Reiche, die Opitz spricht - sämtliche anderen Interviewanfragen wurden abgelehnt. Trotzdem ist es sehr spannend, zu sehen, wie die Reichen sich präsentieren, was sie von sich zeigen: Ihr Jagdhaus, ein Tennisspiel mit dem Sohn oder ein Fußballspiel betrachtet aus der sehr teuren Loge, wo man dann auch mal Gerhard Schröder treffen könnte. Und wie sie auf schwierige Fragen antworten.

Ist es gerecht, dass die Reichen immer reicher werden?

Dirk Rossmann sieht das relativ - weil ja viele Menschen in Deutschland viel Geld haben, sagt er: "Wir haben in Deutschland 20 Millionen Bürger, die ein Vermögen besitzen von 100.000 bis 1 Millionen - also Millionen von Menschen werden reicher. Und die Reichen werden noch reicher - da kommt vielleicht dazu, dass sie sehr viel Zeit haben, die sie darauf verwenden, ihr Vermögen zu vermehren."

Rossmann spekuliert mit Aktien und verdient dadurch ordentlich, wer Immobilien besitzt profitiert auch von der Wertsteigerung der letzten Jahre. Wer kein Vermögen oder Immobilien hat, der hat seit der Finanzkrise eher verloren. Ich empfehle die Dokumentation sehr, weil sie Menschen zeigt, die die meisten von uns nie kennenlernen werden und indirekt auch einen diskreten Blick auf die Mechanismen unserer Gesellschaft wirft.

Stand: 23.01.2019, 12:37