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Fremde Heimat Saudi Arabien

Fremde Heimat Saudi-Arabien: Basma Khalifa reist nach Saudi Arabien

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Fremde Heimat Saudi Arabien

Von Emily Thomey

Saudi Arabien gilt als eines der konservativsten Länder der muslimischen Welt. Frauen dürfen dort erst seit ungefähr zwei Jahren Auto fahren, nur "sittlich" verhüllt dürfen sie auf die Straßen und überhaupt benötigen sie für vieles im Alltag die Zustimmung ihrer männlichen Verwandten.

Basma Khalifa ist eine junge Stylistin, Journalistin und Filmemacherin. Sie wurde in Saudi Arabien geboren, lebt aber in London. Für sie ist Saudi Arabien eine sehr fremde, entfernte Heimat.

In ihrer Doku "Fremde Heimat" kehrt sie nach Saudi-Arabien zurück, weil sie sich auch in London nicht so richtig zuhause fühlt. Sie vermisst ihre Tanten, die sie für die Doku in Dschidda besucht, und als sie ihre erste Pilgerreise nach Mekka macht, muss sie anfangen zu weinen. Es ist Basmas erste Omrah - das ist die kleine Pilgerreise, die Musliminnen und Muslime jederzeit machen können - anders als die viel bekanntere große Pilgerreise, der Haddsch. Basmas Sehnsucht nach Saudi Arabien, wo sie als Tochter sudanesischer Einwanderer geboren wurde, ist besonders in Mekka zu spüren - aber auch so hat die junge Frau eine große Neugier für das Land.

Die vielen Regeln, mit denen Basmah konfrontiert wird, stören sie sehr. Das Leben in Saudi Arabien ist - gerade für Frauen - ganz anders als in London. Basmah versucht vor allem zu verstehen, wie genau diese Regeln funktionieren. Am Anfang geht es um ihre Kleidung - sie muss eine Abaya tragen, das ist ein Überkleid, das du über deinen Klamotten trägst.

Es dauert eine Weile bis Basma mit ihrer Tante eine passende Abaya findet und der Begleiter, ohne den sie nicht filmen könnten, ist richtig angespannt, weil es so lange dauert. Umso überraschter ist Basma dann als sie auf einer Party für ein neues Magazin landet, das von der Regierung genehmigt wurde: "Hinter dir stehen Mädchen mit bauchfreiem Oberteil. Interessanterweise tragen sie alle noch Abayas. Obwohl sie ziemlich heiß aussehen, tragen sie darüber noch Abayas."

Spannungsfeld zwischen moderner und konservativer Seite

Basma erlebt also zwei Realitäten - die eine, in der die strengen Regeln gelten und nicht Beachtung bestraft wird. Und die andere, in der diese Regeln aufgeweicht werden. Auf den sozialen Kanälen findet Basma Videos von zu westlicher Musik tanzenden Menschen - ein No Go in Saudi Arabien und sowieso scheinen bei Snapchat und Co die konservativen Regeln nicht zu gelten.

Manches wird also toleriert - wie die recht freizügige Party, anderes nicht. Nach dem Besuch kann sich Basma trotzdem nicht vorstellen, zurück nach Saudi Arabien zu gehen. Auch wenn sie wirklich alles ausprobiert, kommt es für sie nicht infrage. In Saudi-Arabien fährt sie Auto, obwohl sie sich dafür kontrollieren lassen muss und nur in bestimmte Gegenden fahren darf. Sie trifft junge Unternehmerinnen, die wie sie selbst unabhängig arbeiten und Basma möchte bei einer gemischten Sportgruppe mitmachen, in der Männer und Frauen zusammen laufen gehen.

Nur eine einfache Unterhaltung über Frauenrechtlerinnen führt letztlich dazu, dass der Betreuer dafür sorgt, dass Basma und der Regisseurin die Drehgenehmigung entzogen wird und sie von heute auf morgen das Land verlassen müssen. Die Dokumentation zeigt also anschaulich das Spannungsfeld zwischen dem modernen Saudi Arabien und der strikten konservativen Seite des Landes.

Stand: 22.07.2020, 16:22