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"Framing Britney Spears" – Ausbeutung und Empowerment

"Framing Britney Spears"  Dokumentation

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Framing Britney Spears" – Ausbeutung und Empowerment

Von Christian Werthschulte

"Framing Britney Spears" zeigt, wie eine junge Künstlerin von ihrer Familie ausgenutzt worden ist und ihre Fans ihr jetzt helfen wollen.

Mit "Oops...I Did It gain" wurde Britney Spears in den späten Neunzigerjahren zur Heldin amerikanischer Teeniezimmer. Auf den Aufstieg zum "All American Girl" folgte der Abstieg: In den Nullerjahren wurde sie wegen ihrer Trennungen und Sorgerechtsstreits zum Gespött des Boulevards. 2008 wurde schließlich ihr Vater ihr gesetzlicher Vormund und erlangte damit die Kontrolle über ihr Vermögen von über 50 Millionen Dollar.

"Britney wollte ihren Vater nicht als Vormund für ihre Person, als derjenige, der die Entscheidungen trifft über ihre medizinische Behandlung", sagt ihr damaliger Anwalt Adam Streisand in der Doku. "Und sie wollte auch nicht, dass er ihre Finanzen kontrolliert." Streisand ist einer von vielen Stimmen aus ihrem Umfeld, die in "Framing Britney Spears" zur Wort kommen - ebenso wie ihre persönliche Assistentin, Journalist*innen und Fans. Und sie alle sind sich einig: Die Familie von Britney Spears trägt die größte Schuld an ihrem Zustand, besonders ihr Vater. Aber keins der Familienmitglieder wollte sich vor der Kamera äußern.

"Framing Britney Spears" formuliert eine These: Britney Spears sei von vielen Seiten für den persönlichen Profit ausgenutzt worden. Schon der Titel deutet das an: "Framing Britney Spears" heißt "Britney Spears hereingelegt", aber auch "Britney Spears in Szene gesetzt". Und neben Britneys Eltern werden besonders die Medien kritisch unter die Lupe genommen. Den Zusammenbruch von Britney Spears, öffentliche Wutausbrüche, die abrasierten Haare konnte man in Magazinen und im Fernsehen in Nahaufnahme mitverfolgen. Für solche Fotos wurden sechsstellige Beträge gezahlt. Aber die Redakteure und Paparazzi zeigen im Film keine Reue. Ein Fotograf, der von Britney attackiert wurde, sagt sogar: Das war eine Win-Win-Situation. Sie brauchte uns, wir brauchten sie. Die mentale Gesundheit von Spears ist ihm egal.

Das ist bei den Fans von Britney Spears anders: Sie setzen sich dafür ein, dass die Vormundschaft ihres Vaters beendet wird. Unter dem Hashtag #FreeBritney produzieren sie Podcasts, nehmen Videos auf und demonstrieren. Darunter sind viele Frauen und Queers. "In meiner Jugend habe ich mit Ängsten und Depressionen gekämpft. Dank Britney Spears ist das heute keine Schande mehr", sagt eine, und ein anderer Fan ergänzt: "Sie hat mir erlaubt, als schwuler Junge in Virginia ganz ich selbst zu sein. Britney hat mir die Kraft gegeben, wer ich bin." Und das ist der positive Aspekt der Geschichte von Britney Spears: Obwohl sie selbst ausgebeutet worden ist, hat sie als Künstlerin einigen Menschen die Hoffnung auf ein besseres Leben gegeben.

"Framing Britney Spears" könnt ihr über Amazon prime streamen.

Stand: 07.04.2021, 10:00