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Kurzfilm über ein Leben ohne Musik

Former Cult Member Hears Music For The First Time

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Kurzfilm über ein Leben ohne Musik

Von Nora Wilker

Stellt euch vor, ihr hättet noch nie in eurem Leben Musik gehört. Wie würde es sich anfühlen zum ersten Mal eine Melodie zu hören? Mit diesem Gedanken spielt die Mockumentary "Former Cult Member Hears Music For The First Time”.

Der Film beginnt, nachdem die Protagonistin Kate mit Mitte 20 von ihrer Familie geflohen ist. Bei ihren Eltern, die einer nicht bekannten Sekte angehören, ist sie völlig isoliert von der Außenwelt aufgewachsen - Ohne Zugang zu Kunst oder Musik, die nur etwas für "schlechte Menschen" sei.

Die erste Szene spielt an einem Filmset. Kate ist nach ihrer Flucht Protagonistin einer Dokumentation. Vor laufender Kamera spielen ihr Journalisten eine Melodie vor. Als sie zum ersten Mal in ihrem Leben Musik hört, verzerrt sich ihr Gesicht. Erst steigen ihr Tränen in die Augen, dann lacht sie hektisch und fängt schließlich an zu weinen. Spannend ist: Der Zuschauer sieht Kate aus der Kameraperspektive von den Journalisten, die sie aufnehmen. So soll der Eindruck entstehen, als seien Kate und ihre Geschichte real.

Mit diesem Eindruck bricht der Film aber direkt in der nächsten Einstellung. Noch während Kate an dem Filmset Musik hört, haut sie plötzlich ihren Kopf auf einen Glastisch, der vor ihr steht - und erstarrt komplett. Ihr ganzer Körper wird starr wie ein Stein, ihr Kopf ist wie am Tisch festgenagelt, als würde sie mit dem Tisch zu einer Art Kunstwerk werden.

Das Ganze ist ein krasses Spiel mit Realität und Fiktion, das viel zu Lachen, aber auch zu Weinen bereit hält. Letztlich wirft der Film die Frage auf, wie wir - täglich mit Kunst und Musik bombardiert - überhaupt entscheiden, was wir hören oder sehen sollen.

Stand: 26.02.2020, 16:54