"Bleibt wo ihr seid! Fischen gegen Fluchtursachen im Senegal"

Frauen reinigen Fische und entschuppen sie.

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Bleibt wo ihr seid! Fischen gegen Fluchtursachen im Senegal"

Von Emily Thomey

Mouhammed Mbaye. Mbaye bekämpft Fluchtursachen im Senegal, indem er, zusammen mit seinem Bruder, nachhaltigen Fisch nach Deutschland importiert.

Fluchtursachen bekämpfen ist eine politische Aufgabe und beispielsweise Teil des gerade heiß diskutierten UN-Migartionspakt. In Berlin gibt es ein Start-Up, dass sich von ganz anderer Seite darum kümmert, Fluchtursachen zu bekämpfen völlig ohne politische Diskussion. arte erzählt die Geschichte von Mouhammed Mbaye. Mbaye will Fluchtursachen bekämpfen, indem er zusammen mit seinem Bruder nachhaltigen Fisch nach Deutschland importiert.

Seit zehn Jahren lebt er in Berlin und hat hier Kontakte zu Restaurants und Fischgeschäften aufgebaut. Sein Bruder lebt in Dakar und kümmert sich dort um die Fischerboote, Piroggen genannt, mit denen Fischer wie Bamba Diyaye auf Meer fahren: "Ich habe schon zweimal versucht nach Europa zu kommen und bin gescheitert. Dann hat mein Vater mir seine Pirogge überlassen. Seitdem ich für Touba Peche arbeite, konnte ich mir einen Außenmotor und eine zweite Pirogge kaufen."

Fischer in Senegal in der Hauptstadt Dakar wartet auf einen Anruf aus Deutschland

Fischen mit Perspektive

Das Unternehmen Touba Peche von Mouhammed und seinem Bruder geben Bamba und den anderen Fischern eine Perspektive im Senegal und sie zahlen ihnen bis zu 20% mehr Lohn als die Konkurrenz - also wesentlich fairere Löhne. Als kleiner Unternehmer ist das nicht  leicht aber gerade hat Mouhammed Mbaye angefangen die Metro zu beliefern. Der neue Großkunde würde viel Sicherheit bringen, hat aber auch hohe Standards für die Zwischenhändler im Senegal, mit denen Mouhammed zusammenarbeitet.

Bei diesen bürokratischen Aufgaben hilft Mouhammeds Freundin Ute. Die Metro will Nachweise sehen, dass die Firma im Senegal Dakar Ice alle Hygienestandards einhalten, dass das Personal regelmäßig geschult wird. Auch die Kontrollen der Fische, die Mouhammed liefert, sind streng und laufen alle gut.

Treue Kunden

Wenn Mbayes Fischer nicht so viel Fisch fangen wie die Großkunden wollen trägt Mouhammed mit seinem Unternehmen Touba Peche das volle Risiko trägt. Vor allem die großen Schiffe aus China oder der EU, die mit riesigen Fischnetzen unterwegs sind, können das Geschäft verderben. Aber der Fisch von Touba Peche ist sehr gut, sagt der Chefkoch eines Berliner Restaurants Andrea Lucarini: "Man sieht das es Wildfang ist. Der ist anders und schmeckt auch anders."

Für Mouhammed ist klar, dass er irgendwann zurück in den Senegal möchte und er sorgt jetzt schon dafür, dass alle seine Mitarbeiter und seine Familie dort besser leben können. Die Reportage von arte ist ein aufschlussreicher Blick auf alle Zwischenhürden, die Mouhammed nimmt, um sein Unternehmen aufzubauen und zu halten. Und ein Beweis dafür, dass Fluchtursachen auch verändert werden können.

Stand: 02.11.2018, 11:00