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ultrAslan - Ein Leben als Fan

Protagonist Ibrahim Bayram sitzt allein im Stadion, Nahaufnahme

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

ultrAslan - Ein Leben als Fan

Von Emily Thomey

Die Ultras von Galatasaray sind die Hardcore-Fans des Fußballclubs aus Istanbul. Sie nennen sich ultrAslan. Die gleichnamige WDR-Dokumentation zeigt eine Fangruppe aus dem Ruhrgebiet.

"Du bist die Sonne", "Du bist der Atem" oder "Greif an wie ein Löwe". Das singen die Ultras von Galatasaray, die Hardcore-Fans des Fußballclubs aus Istanbul. Sie nennen sich ultrAslan - "Aslan" heißt Löwe auf Türkisch und ist das Symbol des Vereins. Der Verein ist einer der größten weltweit, in mehr als sechzig Ländern auf fünf Kontinenten aktiv: London, Buenos Aires, Abu Dhabi oder New York und natürlich auch in Deutschland.

Die gleichnamige WDR-Dokumentation über eine ultrAslan-Gruppe aus dem Ruhrgebiet zeigt, dass ultrAslan viel mehr sind als einfache Fußballfans. Wenn du so richtig Teil von UltrAlsan sein willst, dann bestimmt das Fan-Sein dein ganzes Leben, deinen Alltag, deine Jahresplanung. Erst wenn die Spieltage feststehen, wird der Urlaub geplant. Keine Entscheidung wird mehr getroffen, ohne dass der Verein Teil davon ist.

Fan-Sein über Alles

Alles andere muss sich dem Fan-Sein unterordnen, sagt Ilker Sezgin. Er war Europakoordinator von ultrAslan: "Es kommen häufig Anrufe und dann muss ich zwei, drei Stunden wegen UltrAslan telefonieren. Vor allem mit General Ibo. Wir telefonieren bestimmt vier-, fünfmal am Tag. Wir besprechen die Situationen in den einzelnen Regionen." Natürlich haben die Koordinatoren mehr zu tun als andere. Aber auch alle anderen sind viel beschäftigt, weil der Verein versucht, so wenig kommerziell wie möglich zu sein. Das heißt auch in Sachen Fanartikeln wird viel selbst gemacht. Aber im Mittelpunkt stehen natürlich die Spiele.

Dokumentation begleitet ultrAslan über drei Jahre

Für den Film hat Ümüt Uludag eine UltrAslan-Fangruppe aus dem Ruhrgebiet drei Jahre lang begleitet. Ilker Sezgin zieht sich zum Ende des Films von seinen Aufgaben zurück, weil er nicht mehr alles unter einen Hut bringen kann - also Job, Familie und die Arbeit im Verein. ultrAslan zu sein, bedeutet eben auch, nicht nur zu den Fußballspielen zu gehen. Die Fans gehen neben den Fußballspielen auch zu den Spielen anderer Sportmannschaften von Galatasaray - also Wasserball, Volleyball oder Basketball. Das ist dem sogenannten General Ibrahim Bayram, der genauso wie Sezgin Europakoordinator ist, sehr wichtig: "Wer hier nicht mitkommt, soll auch sonst nicht mitkommen. Man sucht sich bei uns nicht aus, zu welchen Spielen man geht oder nicht. Wer so etwas macht, hat bei uns eh nichts verloren."

Verein als Familienersatz

Bayram spricht auch davon, dass der Verein ein richtiger Familienersatz ist, der die jungen Mitglieder mit erzieht, vor allem da, wo die Familien vielleicht zu weit weg sind oder nicht die Mittel haben, sich um ihre Kinder zu kümmern. Natürlich helfen sich die Fans bei Umzügen, der Jobsuche und sind bei Hochzeiten dabei.  Ultras sind generell nicht dafür bekannt öffentlich oder in der Presse offen zu sprechen. Dem Filmemacher gegenüber sprechen sie sehr offen. Es geht in den Gesprächen auch darum, wie kompliziert es sein kann, als Türke in Deutschland zu leben. Vor allem Ibrahim Bayram identifiziert sich sehr mit seiner türkischen Welt, zu der auch ultrAslan gehört.

In der Doku sind wir bei einer Auseinandersetzung im Stadion dabei, als eine Fahne der hierzulande verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in Beschlag genommen wird, die die UltrAslan-Fans provoziert hat. Die Doku schafft also einen intimen Einblick in das Leben einiger ultrAslans, ist visuell sehr schön und es macht Spaß, ein bisschen von dem Fanblockfeeling mitzuerleben, weil die Macher viel im Block selbst gefilmt haben.

Stand: 26.06.2020, 06:00