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"The Great" - Satire-Serie über Katharina die Große

The Great

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"The Great" - Satire-Serie über Katharina die Große

Von Emily Thomey

"The Crown", "Downton Abbey", "The Favourite" - adelige Familien eignen sich hervorragend für Serien und Filme. Ob sie realitätstreu oder komplett erfunden sind, wird dann gerne spekuliert und nachgeforscht. Eingefleischte Fans kennen dann auch alle Details, die nicht stimmen können - und damit meine ich nicht nur am Set vergessene Plastikfalschen  wie bei Downton Abbey.

Jetzt gibt es eine neue Serie mit realem Bezug: Die russische Kaiserin Katharina die Große wurde schon oft in Filmen und Serien in Szene gesetzt. Die Satireserie "The Great" ist wenig originalgetreu. Als Satire ist das quasi mit Ansage - deswegen lautet der Untertitel "an occasionally true story" - also eine gelegentlich wahre Geschichte.

Zu Beginn der zehnteiligen Miniserie kommt Katharina als naives, junges Mädchen an den Hof von Peter, dem Dritten von Russland. Elle Fanning spielt die zarte, wunderhübsche Frau, die von einer großen, romantischen Liebe zwischen ihr und ihrem neuen Ehemann träumt. So malt sie sich beispielsweise die Hochzeitsnacht in blumigen Worten aus: "Der Mann berührt dich sanft, drückt seine Lippen auf deine, deine Brüste und deine Haut erwachen" - und so weiter und so fort.

Peter der Dritte ist aber ein totaler Rüpel, null interessiert an Katharinas romantischen Vorstellungen. Und so dauert die Hochzeitsnacht für ihn keine drei Minuten, in denen er zusätzlich auch noch mit seinem Kumpel über die Entenjagd quatscht. Ein Fünkchen Wahrheit ist drin, denn auch die reale Katharina die Große und ihr Mann hatten keine glückliche Ehe. Bleibt die Satire denn auch in einem zweiten Punkt dem echten Leben treu: Katharina will in "The Great" die Macht zu übernehmen.

The Great

Das ist die Haupthandlung, die beginnt als Katharina realisiert, dass Peter zwar super aussieht und irgendwie süß ist, aber sonst nur Saufen, Parties und Sex mit allen möglichen Frauen im Kopf hat. Katharina hingegen träumt von Wohlstand, Bildung und Kultur für sich und ihr Volk. Es soll Brot für alle geben, wünscht sich Katharina mit leuchtenden Augen. Medizin und Ärzte, die gut behandeln. Bildung und Kunst, sodass alle Russ*innen satt, glücklich und voller Ideen sind. Auch hier steckt ein Quäntchen Wahrheit drin, hat auch die echte Katharina sich dafür eingesetzt, dass ihre Bürger*innen gebildet und gesund sind.

Die Serie ist aber vor allem lustig: Die Dialoge sind voller Witz und Selbstironie - so humorvoll habe ich das Morden und die Intrigen an einem Königshof noch nie in Szene gesetzt gesehen. Ich musste sofort an den Film "The Favourite" denken, in dem es zwar um die englische Königin Anna geht, der aber ebenso humorvoll auf die Geschichte zurückblickt. Kein Wunder, beide stammen vom selben australischen Autor Tony McNamara.

In beiden humorvollen Geschichten kämpfen starke, unabhängige Frauen um die Macht. Die Figuren sind gerne und gut überzeichnet - auch mal albern. Aber das macht sie auch so liebenswert. "The Great" bietet außerdem noch eine diverse und sehr gute Besetzung, viele überraschende Momente und Entwicklungen und ist trotz düsterer Szenen voll Folter und Mord - echt lustig.

Stand: 19.06.2020, 06:00