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"Stateless" - Dramaserie über die Einwanderungspolitik Australiens

Screenshot: Stateless

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"Stateless" - Dramaserie über die Einwanderungspolitik Australiens

Von Emily Thomey

Wenn über die australische Einwanderungspolitik berichtet wird, dann meistens mit viel Kritik: Asylsuchende landen in Internierungslagern und leben dort wie Gefangene bis nach viel zu langer Zeit über ihre Anträge entschieden wird. Meistens mit dem Ergebnis: Abschiebung. Jetzt gibt es eine Serie, die sich mit dieser Einwanderungspolitik beschäftigt. Das klingt erstmal ziemlich sperrig. Glotz-und-Gloria-Podcasterin Emily Thomey hat die Serie mit Cate Blanchett schon gesehen und findet sie echt gut gelungen.

Einmal ist die australische Schauspielerin selbst ja international so bekannt, dass allein ihr Name schon für Aufmerksamkeit sorgt. Sie spielt auch in der Netflix-Serie mit, aber eher in einer Nebenrolle. Viel zentraler ist die Geschichte von Sofie, die in einem der Internierungslager landet und sich als die Backpackerin Eva ausgibt.

Durch Vor- und Rückblenden von Sofie wissen wir, dass sie nicht Eva ist, sondern als Stewardess gearbeitet hat, Teil einer Sekte war und psychisch ziemlich mitgenommen vor ihrer Familie flieht. Welchen Plan Sofie jetzt verfolgt und was genau ihre Fluchtmotive sind, erfahren wir Stück für Stück im Laufe der Serie.

Interessant ist, dass die Figur der Sofie auf der wahren Geschichte der Deutschen Cornelia Rau basiert, die vor einigen Jahren fälschlicherweise festgehalten wurde und deren Fall 2005 für viel mediale Aufmerksamkeit gesorgt hat. Die Serie erzählt jedoch nicht eins zu eins die Geschichte dieser Cornelia Rau. Der ungewöhnliche Fall ist eine hilfreiche Vorlage für die Serie, um von den unmenschlichen Bedingungen in diesen Lagern zu erzählen.

Ein Leiter im Lager erklärt beispielsweise, warum er das Bildungs- und Freizeitprogramm nicht umsetzen könne, zu dem er und sein Team eigentlich verpflichtet sind: "Wir hatten es mit Sport versucht. Basketball: Die Körbe waren eine Erhängungsgefahr. Crikett: die Schläger und Stäbe sind potentielle Waffen. Holzarbeiten: Waffen. Kochen: Feuergefahr. Theater: kulturelle Probleme." So vegetieren die Insassen vor sich hin - oft über viele Jahre.

Einige ihrer Geschichten werden eindrücklich gezeigt, genauso wie die Motive der Wachen im Lager oder von Protestierenden und Journalisten, die versuchen die Umstände der Insassen zu ändern. Eine sehr komplexe Geschichte. Es macht Sinn das als Serie zu erzählen. "Stateless" gelingt die Gratwanderung zwischen Aufklärung und Unterhaltung gut. Die Schauspieler sind durch die Bank überzeugend und die Kulisse des Lagers ist surreal schön in warmes Sonnenlicht getaucht.

Nur wenige Figuren sind vorhersehbar, das Drehbuch ist sehr spannend, so dass ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Und es wird auf erschütternde Weise klar, wie struktureller Rassismus und Gewalt hier völlig ohne Korrektiv wirken und so vor allem die Insassen darunter leiden.

Stand: 10.07.2020, 06:00