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Islamunterricht in Deutschland

Ein Mädchen liest in einer Schule während des islamischen Religionsunterrichts in einem Schulbuch.

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Islamunterricht in Deutschland

Von Emily Thomey

In der ARD Themenwoche geht es dieses Jahr um die Zukunft der Bildung. Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Oder: Wie wird der Islam in den Schulen in Deutschland unterrichtet?

Was viele nicht wissen, ist, dass es schon seit gut zehn Jahren Islamunterricht an deutschen Schulen gibt. Der radikale Islam und der Missbrauch der Religion durch Extremisten bestimmt zwar oft das Weltbild der Religion, tatsächlich sind die meisten Muslime aber liberal und weltoffen, wie auch die ARD-Dokumentation "Islam.Macht.Schule" zeigt, die gerade online zu sehen ist.

Wenn wir nach NRW schauen, gibt es einen Beirat, vor dem alle werdenden Islamlehrer und -lehrerinnen ihre Eignung beweisen müssen. Dieser Beirat ist von seiner Ausrichtung her konservativ. Die liberaleren Islamverbände kritisieren, dass sie bisher zu wenig Mitspracherecht haben, um den Unterricht mitzugestalten, sagt Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik in Münster: "In meinen Augen sehe ich da fatale Fehler, die die Politik gemacht hat. Sie hat bestimmte Verbände aufgewertet, die die Politik selbst heute kritisiert. Man hat sich für die konservativen Verbände entschieden und ignoriert, dass es andere Kräfte gibt und andere Vertreter der Muslime."

Mittlerweile nimmt die Landesregierung in NRW die liberalen Muslime und ihre Forderungen wahr, sagt Schulministerin Yvonne Gebauer: "Wir haben ihnen erklärt, wohin wir in Zukunft steuern wollen, nämlichen den Koalitionsvertrag umzusetzen. Und der hat als Ziel, dass die Vielfalt des Islam stärker abgebildet wird, als das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist."

Für den islamischen Religionsunterricht heißt das konkret, dass Mouhanad Khorchide seinen Schüler*innen beibringt, dass es viele verschiedene Interpretationen des Islam gibt. Das ist gerade das, was Müberra Yildiz so gut an seinem Unterricht findet: "Er hat niemals gesagt, es gibt nur eine Meinung und meine Meinung ist richtig. Gerade das finde ich so schön, dass er einfach sagt: Das ist eine Variante, und es gibt auch andere Varianten, aber ihr müsst offen dafür sein."

Lehrer diskutieren also mit ihren Schülern, ob und warum das Kopftuch getragen werden muss, wie zusammen gebetet wird und welche Bedeutung das Gebet haben soll oder wie Frauen und Männer zueinander stehen, ob sie in der Moschee auch gemeinsam beten dürfen.

Die konservativen Stimmen halten nicht viel davon, dass der Islamunterricht sich so öffnen soll. Vor allem auch in den traditionelleren Moscheen können sich viele nicht vorstellen, dass diese Varianten den Islam auszulegen überhaupt legitim sind. Deswegen fordern Konservative separate Klassen für liberale Muslime. Das Ziel der Politik und der liberalen Verbände ist aber, den Unterricht weiter zu modernisieren. Die Dokumentation lässt die verschiedenen Haltungen zu Wort kommen, spricht auch mit Schülern und gibt damit einen guten Überblick über die Diskussion um den islamischen Religionsunterricht in Deutschland.

Stand: 13.11.2019, 06:00