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"Harlem" – klassische Rom-Com im neuen Gewand

Cover: Harlem

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Harlem" – klassische Rom-Com im neuen Gewand

Von Noelle O’Brien-Coker

Vier emanzipierte Freundinnen in New York – dieses Serienprinzip ist mit "SATC" und "Girls" zum Klassiker geworden. Mit "Harlem" bekommt es jetzt ein Update im Sinne der Vielfalt, unter anderem produziert von Pharrell Williams.

In "Harlem" zentriert sich alles um Erzählerin und Hauptfigur Camille (Meagan Good). Als Influencerin twittert sie kritisch über Gentrifizierung in ihrem New Yorker Viertel Harlem. Und als Anthropologie-Dozentin an der Columbia University ist sie zwar beliebt bei den Studierenden, wartet aber scheinbar vergeblich auf eine Festanstellung als Professorin.Von allen Herausforderungen der urbanen Frau in ihren späten Zwanzigern steht für Camille aber vor allem eine im Vordergrund: Dating. Die Mission: Den Richtigen zu finden.

Auf stürmischem Kurs zwischen Karriere und Liebesleben


Natürlich meint es das Schicksal erstmal nicht so gut mit Camille: Die Professorin ihres Lehrstuhls, die zugleich ihre Mentorin und bisher größte Hoffnung auf eine Festanstellung ist, wird suspendiert. Und dann taucht auch noch ihr Ex Ian auf, der vor rund vier Jahren eigentlich nach Paris gezogen war. Schnell ist klar, dass Camille noch Gefühle für ihn hat. Und er möglicherweise auch für sie – obwohl er inzwischen mit einer Anderen verlobt ist. Emotionale Achterbahnfahrten sind programmiert...

Gut, dass Camille also Tye, Angie und Quinn, ihre besten Freundinnen hat. Die drei haben allerdings auch ihre ganz eigenen Baustellen: Die vorlaute Angie (Shoniqua Shandai) versucht ihre Gesngskarriere aus dem Tief zu holen und wohnt derweil mietfrei auf der Couch von Quinn (Grace Byers, Empire), eine etwas zugeknöpfte Modedesignerin mit einer richtigen Pechsträhne bei der Männerwahl. Last but not least: Die lesbische Tye (Jerrie Johnson), die gerade als unternehmerisch durchstartet mit einer erfolgreichen Dating-App speziell für queere People of Color.

Bruch mit Sehgewohnheiten, aber konventionelle Storyline


Vier Schwarze Hauptfiguren, eine davon lesbisch – Kritiker:innen, die schon "SATC" und "Girls" als zu homogen waren, können sich auf "Harlem" freuen. Allerdings nur, wenn sie ihrerseits auf leichte Unterhaltung stehen. Was Beziehungen aller Art, Liebe und Sex betrifft, bleibt „Harlem" nämlich ziemlich konventionell, wie die Handlungsbeschreibung schon schreibt, die genau so schon auch schon vor 25 Jahren auf den Markt hätte kommen können – nur eben in weiß und hetero.

In den "Harlem"-Charakteren lassen sich zudem unschwer die vier "SATC"-Figuren wiedererkennen, was stellenweise fast plakativ wirkt. Wer komplexe Charaktere und Normbrüche sucht, ist bei "Harlem" also an der falschen Adresse. Für Fans von klassischen Rom-Coms ist die Prime-Video-Serie aber eine gute Abwechslung. Sie bricht mit Sehgewohnheiten, gibt einem Massenpublikum Einblick in andere Communites und führt mit einem Augenzwinkern an Themen wie Gentrifizierung und Political Correctnes ran.

Stand: 02.12.2021, 16:00