Der Islam der Frauen

Screenshot Doku: Der Islam der Frauen

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Der Islam der Frauen

Von Emily Thomey

Können Feministinnen islamisch sein? Darüber können vermutlich ganz Bücher geschrieben werden, so umstritten ist diese Frage - in Ländern wie dem Libanon, Saudi-Arabien oder Tunesien genauso wie in Europa. Steht im Koran geschrieben, dass der Mann die Frau schlagen darf? Wieder so eine Frage. Und dann darf natürlich auch der Streit um das Kopftuch nicht fehlen, wenn es um die Frauen und den Islam geht.

Die Dokumentation "Der Islam der Frauen" von arte beschäftigt sich mit diesen Fragen und ist gerade online. Um Antworten zu finden, reist Regisseurin Nadja Frenz von Deutschland und Frankreich bis in den Oman oder nach Rabat in Marokko und spricht dort mit Wissenschaftler*innen und Autor*innen. Für die libanesische Autorin Joumana Haddad ist klar: "Dass Feminismus entweder säkular ist oder nicht. Besonders, wenn wir über die monotheistischen Religionen sprechen, die sehr patriarchalisch sind. Alle drei meinen, dass die Frau nur eine Rippe ist." Joumana Haddad hat im Libanon eine wöchentliche Fernsehshow, in der sie über Tabus spricht, zum Beispiel sogenannte Ehrenmorde an Frauen.

Was Joumana sagt, klingt erstmal plausibel: Feminismus sei immer säkular. Doch ihr widersprechen islamische Feministinnen.Sie sagen, dass im Koran die Rede ist von einer Urseele, die Gott erschuf: Nafsin Wahidatin - im Arabischen ein weiblicher Begriff.

Ähnlich kontrovers ist die Diskussion um Sure 4 Vers 34, in der es heißt, dass der Mann die Frau schlagen dürfe. Zineb El Rhazoui ist Journalistin und hat beim Satiremagazin Charlie Hebdo mitgearbeitet, auf dessen Redaktion 2015 islamistische Terroristen einen Anschlag verübten. Für Zineb El Rhazoui besteht kein Zweifel an den Worten im Koran: "Und dass man mir nicht mit Interpretationen kommt. Da steht schlagt sie. Ich kann doch arabisch lesen, so wie die meisten Araber auch, oder? Adri Bouhuna bedeutet: schlagt sie."

Das Gegenargument kommt von Politologin Sarah Marsso: "Wenn man sich aber die Geschichte und Herkunft des Wortes anschaut, sieht man, dass dieses Wort in anderen Fällen im Koran mit einer vollkommen anderen Bedeutung verwendet wird. Es wird zum Beispiel benutzt, wenn Moses mit seinem Stab das Meer teilt. Im Wort ist Adrib enthalten und das bedeutet nicht prügeln." Sollten sich Mann und Frau also streiten, rät Sarah Marsso, sich an Moses ein Beispiel zu nehmen: Teilt die Betten, also schiebt sie auseinander.

Insgesamt setzt die Doku "Der Islam der Frauen" auf Verbindendes und nicht auf das Trennende. Alle Frauen, die in der Doku zu Wort kommen, zitieren ihre Lieblingssuren und erklären ihre Verbindung zur Religion, womit sie Schwierigkeiten haben und wie der Islam ihnen Freiheiten gegeben hat. Allen gemeinsam ist, dass sie nicht von anderen vorgeschrieben bekommen wollen, was sie zu sagen, tragen, glauben oder tun haben. Die Dokumentation zeigt, wie unterschiedlich Frauen sich zum Islam positionieren – und wie sie für ein selbstbestimmtes Leben kämpfen.

Stand: 01.04.2020, 10:00