Live hören
Jetzt läuft: Afeto von Mayra Andrade

Mit Tinte gegen Rassismus: "Beneath the Ink"

"Beneath the Ink"., Videostill Close-Shot von Toni White, der tätowiert.

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Mit Tinte gegen Rassismus: "Beneath the Ink"

Von Christian Werthschulte

In "Beneath the Ink" übersticht ein Tätowierer rassistische Tattoos.

Billie White ist die Hauptfigur in 2Beneath the ink". Er wohnt in den Appalachen, einer sehr armen, sehr ländlichen Gegend in Ohio. Dort bemerkt er, wie die Gesellschaft um ihn herum immer feindseliger wird und besonders entsetzt ist er über das Wiedererstarken rassistischer Ideologien: "Das Wertesystem unserer Gesellschaft bröckelt. Wir bewegen uns in eine Zeit zurück, die wir eigentlich schon hinter uns gelassen haben. Ich konnte nicht mehr länger zusehen und habe gedacht: Was kann ich tun?"

Über Facebook hat Billie White dann einen Aufruf gestartet: Er will rassistische Tattoos mit einem neuen Tattoo überdecken – und zwar kostenlos. Die Resonanz ist riesig. Immer mehr Leute wollen ihre alten Tatoos loswerden, egal ob einen Ku-Klux-Klan-Kapuzenmann mit brennendem Kreuz oder Hakenkreuze. Hinter diesen Tattoos steckt aber nicht immer eine ausformulierte politische Überzeugung, sondern auch eine persönliche Geschichte.

"Ich war in einer üblen Beziehung mit einem Rassisten. Er hat mich zu meinem Tattoo gebracht", erzählt eine junge Frau. "Mein Freund war übergriffig, das war auch eine psychische Sache. Ich habe seine Überzeugungen damals auf jeden Fall auch geteilt. Ich habe mich wirklich so gefühlt, aber heute tue ich das nicht mehr." Ein anderer erzählt, dass er bei einer rassistischen Gruppe mitgemacht hat, nachdem sein Vater Selbstmord begangen hat. Er habe nicht gewusst, wohin mit seiner Wut, da kamen die Rechtsextremisten gerade richtig.

Die Motivation, die rassistischen Tattoos wieder loszuwerden, sind ähnlich vielfältig. Die außergewöhnlichste Geschichte ist die eines ehemaligen Ku-Klux-Klan-Mitglieds, dass ein afro-amerikanisches Kind adoptiert hat und dieses Kind jetzt über alles liebt. Der hat sein altes Klan-Tattoo mit einem Adler überstechen lassen, dem amerikanischen Wappentier. Das ist zwar immer noch ziemlich nationalistisch – aber wenigstens nicht mehr rassistisch. Und das ist heute ja schon fast ein Fortschritt.

Stand: 08.02.2019, 09:30