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"Wem gehört das Heilige Land?" - Deutsche Siedler im Westjordanland

Szene aus der arte Reportage über deutsche Siedler im Westjordanland

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Wem gehört das Heilige Land?" - Deutsche Siedler im Westjordanland

Von Emily Thomey

Im Westjordanland leben israelische Siedler schon seit vielen Jahren auf palästinensischem Boden. Völkerrechtlich gelten die Siedlungen als illegal. Was führt die Siedler*innen hierhin? Wie ist das Leben in den Siedlungen? Und warum kommen auch Europäer*innen hierhin und lassen ihr komfortables Leben hinter sich, um in dem umkämpften Gebiet zu wohnen?

Eine arte-Reportage hat nachgefragt: "Wem gehört das Heilige Land?" heißt die Reportage und ist jetzt in der Mediathek zu sehen. In der Reportage tauchen auch zwei Deutsche auf: Die Kölnerin Chaya Tal und der Bonner Nethanel sind beide sehr religiös und deswegen in einen Siedlungsblock in die Nähe von Bethlehem gezogen. Für sie gehört es zu ihrer Religion dazu, dort zu leben und sie genießen das Leben in der Gemeinschaft der Siedlung, sagt Nethanel: "Es gibt eine große Hilfe untereinander. Im Prinzip kann jeder hier wohnen. Natürlich sollte er religiös sein und hier zur Gemeinschaft passen. Jemand, der säkular ist oder ultraorthodox, würde hier nicht glücklich werden."

Ein Versuch des Miteinanders

Beide, Chaya Tal und auch Nethanel, folgen dem israelischen Standpunkt, der die Siedlungen als legal ansieht. Und beide sind mit Palästinenser*innen befreundet - pflegen also ihre Kontakte zur arabischen Bevölkerung. Das klingt wie ein Widerspruch: befreundet zu sein mit Palästinenser*innen und gleichzeitig auf ihrem Gebiet zu leben, was nach dem internationalen Völkerrecht illegal ist. Chaya Tal und Nethanel ist es das nicht. Sie suchen den friedlichen, versöhnlichen Weg zwischen den verfeindeten Fronten. Damit sind sie nicht alleine: Die Nichtregierungsorganisation Roots arbeitet seit vielen Jahren dafür, dass Israelis und Palästinenser sich begegnen und darüber ihre Angst abbauen, sagt der Gründer von Roots: "Sie fürchten dann als Verräter zu gelten, weil sie die eigene Sache schwächen und ihre Identität aufgeben."

"Jede falsche Bewegung kann dich dein Leben kosten."

Ein Palästinenser erzählt, dass er sogar von eigenen Leuten verhört wurde, weil sie befürchten , dass er ein Spion ist. Vor allem leiden die Palästinenser*innen unter den Repressalien, denen sie von israelischer Seite aus ausgesetzt sind, erzählt Abu Awad: "Jede falsche Bewegung auf dieser Kreuzung hier in Gush Etzion, jede kleine Fehler kann dich dein Leben kosten." Die israelischen Soldaten fangen schon beim geringsten Verdacht an zu schießen, sagt Abu Awad.

In allen Interviews geht es letztlich darum, eine friedliche Lösung zu finden - ob mit einem Staat oder zwei Staaten bleibt offen. Gleichzeitig sind die Positionen der Siedler*innen und die der Palästinenser*innen, die zu Wort kommen trotzdem noch sehr weit voneinander entfernt. Abu Awad ärgert sich über die ständigen Kontrollen, denen er ausgesetzt ist und findet es ungerecht, dass die Siedler*innen auf dem Land seiner Vorfahren leben. Die Reportage kommt in der knappen halben Stunden allen Interviewten sehr nah - sehr sehenswert, auch für alle, die sich mit dem Konflikt um das Westjordanland nicht so gut auskennen.

Stand: 10.06.2020, 12:00