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"When they see us" - Die Geschichte der 'Central Park Five'

Szene aus der Netflix-Kurzserie "When They See Us.": Die unschuldigen Jugendlichen auf der Anklagebank werden von ihren Anwälten in den Arm genommen

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"When they see us" - Die Geschichte der 'Central Park Five'

Von Nora Wilker

Knapp zwei Wochen nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd, gibt es weltweit Proteste gegen Rassismus. Rassistisch motivierte Polizeigewalt gibt es natürlich schon lange. Vor 30 Jahren in einem der größten Justizskandale der USA zum Beispiel. Damals wurde fünf latein- und afroamerikanischen Teenagern eine Vergewaltigung angehängt. Die Geschichte der "Central Park Five" erzählt die Netflix-Serie "When they see us".

1989 wurde eine Joggerin im New Yorker Central Park vergewaltigt und die Tat wurde fünf latein- und afroamerikanischen Teenagern angehängt. Als deren Unschuld Jahre später, nachdem die Fünf ihre Haftstrafen schon abgesessen hatten, bewiesen werden konnte, wurden Yusef Salaam, Antron McCray, Raymond Santana, Kevin Richardson und Korey Wise als die "Central Park Five" bekannt.

Die Netflix-Serie "When they See us" erzählt die grausame Geschichte der fünf Teenager. In der ersten Szene sieht der Zuschauer die fünf Jungs - die gerade Mal 14, einer 16 Jahre alt sind - abends im Park eine Schlägerei beobachten. Als sie Polizeisirenen hören und instinktiv wegrennen, wird der Kleinste, Kevin, von einem Polizisten gepackt, auf den Boden gedrückt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Im Verhör geht es dann nicht um die Prügelei, die die Jungs beobachtet hatten, sondern um eine Vergewaltigung, die zur selben Zeit im Park passiert ist. Die Polizisten spielen die Jungs gegeneinander aus, die unter dem Druck dieser Psychospielchen einknicken und sich letztlich alle gegenseitig beschuldigen - für eine Vergewaltigung, von der sie eigentlich gar nichts mitbekommen haben.  Alle Fünf werden verurteilt und kommen zwischen sechs und 14 Jahre ins Gefängnis.

Die Serie erzählt von dem Leben im Gefängnis und von den Familien der Jungs, die von der Unschuld ihrer Kinder überzeugt sind. Und davon, wie schwer es für die Fünf ist, nach ihrer Entlassung wieder zurück in die Gesellschaft zu finden.

Die Regisseurin erzählt die Geschichte und die damit verbundenen Justizskandale nicht detailgetreu nach. Sondern ihr Anspruch liegt darin, uns Zuschauer in die Position der Jungs und der Familien zu versetzen. Der Zuschauer erlebt strukturellen Rassismus, die Ungerechtigkeiten und Schikanen aus der Sicht der Betroffenen. Die Regisseurin will zeigen: Schwarze junge Männer geraten automatisch in den Verdacht, kriminell zu sein. Auch heute noch.

Stand: 05.06.2020, 13:44