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"Frauenfußball in Kabul": Lebensgefährliche Leidenschaft

DW-Doku: Frauenfußball in Kabul

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Frauenfußball in Kabul": Lebensgefährliche Leidenschaft

Von Emily Thomey

Fußball spielen ist in Afghanistan lebensgefährlich. Selbstmordattentate sind bei großen Spielen immer eine Gefahr. Viele Spiele der Nationalmannschaft finden daher in anderen Ländern statt.

Letztes Jahr gab es Vorwürfe von sexuellem Missbrauch und tatsächlich wurde vor Kurzem auch einer der führenden Köpfe des afghanischen Fußballverbands gefeuert und muss eine Strafe zahlen, weil er den Vorwürfen weder nachgegangen ist, noch sich für den Schutz der Spielerinnen eingesetzt hat.

Jetzt gibt es eine Dokumentation über Frauenfussball in Afghanistan im Netz. Die Dokumentation begleitet vor allem die langjährige Torschützenkönigin und ehemalige Spielerin der Nationalmannschaft Madina Azizi. Madina gehört zu den besten Spielerinnen des Landes und hat nebenbei noch einen internationalen Trainerschein gemacht. Viel mehr Erfolg kann eine Spielerin kaum haben. Aber dann hat ihre Karriere ein jähes Ende genommen: "Ich wurde aus der Mannschaft rausgeworfen. Ich vermute, das lag daran, dass ich die sexuellen Angebote abgelehnt hatte, die ich immer wieder bekommen habe."

DW-Doku: Frauenfußball in Kabul

Seit sie nicht mehr Teil der Nationalmannschaft ist, trainiert sie Mädchen so gut es geht, versucht für sie Spiele zu organisieren und überlegt das Land zu verlassen, um wieder in der Profiliga zu spielen. Angebote hat sie und sie wäre auch nicht die einzige Fußballerin Afghanistans, die das Land für ihren Sport verlässt. Madinas Kollegin Khalida Popal war zentral in der Aufdeckung des Skandals um die sexuellen Übergriffe. Wer als Frau Fußball spielt, ist Repressionen ausgesetzt und für Khalida ist es nach gezielten Morddrohungen zu gefährlich geworden: "Eine Frau, die sich entfalten möchte oder auch nur ihre Meinung äußern will, hat es in Afghanistan extrem schwer. Wenn du deine Stimme erhebst, dann setzt du dein Leben aufs Spiel."

Mittlerweile ist Khalida in Dänemark, arbeitet aber weiter für die Frauennationalmannschaft und organisiert Veranstaltungen. Für Madina ist Khalida eine wichtige Ansprechpartnerin und Verbündete. Die beiden planen beispielsweise Spiele außerhalb von Afghanistan zu organisieren, weil ihnen im Land so wenige Möglichkeiten dafür gegeben werden.

Sie kann den Sportplatz der Uni in Kabul nutzen und hat dort auch einen Arbeitsplatz, von dem aus sie sich organisieren kann. Aber finanziell bekommt sie keine Unterstützung: Sie zahlt also für die Bälle und die Trikots ihrer Mädchen. Den Rest der Ausrüstung müssen die Eltern der Mädchen bezahlen. Wer älter ist als 20 Jahre - so heißt es in der Dokumentation - wird es als Frau sehr schwer haben weiterzuspielen, weil dann eigentlich eine Heirat ansteht. Und die bedeutet für die meisten das Ende jeglicher sportlicher Aktivität. "Frauenfußball in Kabul" zeigt uns also die wenigen Ausnahmen und Talente, die es gibt und welchen Kampf sie für ihre Leidenschaft auf sich nehmen.

Stand: 08.11.2019, 12:00