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"Rechtsrock in Deutschland": Das Netzwerk der Neonazis

Rechtsrock in Deutschland

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Rechtsrock in Deutschland": Das Netzwerk der Neonazis

Von Emily Thomey

Der Ort Themar in Thüringen hat seit 2017 einen anderen Klang bekommen. Damals haben sich 6000 Neonazis zu einem der größten Rechtsrockkonzerte versammelt, die es in der deutschen Geschichte bisher gab.

Das Konzert in Themar ist aber bei weitem nicht das einzige dieser Art. Musikkonzerte werden in der Neonazi-Szene gezielt für die Mobilisierung ihrer Anhänger genutzt und es wird viel Geld auf diesen Veranstaltungen gemacht. Offiziell werden keine Tickets verkauft, sondern um Spenden gebeten, denn die Konzerte sind als öffentliche Versammlungen angemeldet und nicht als kommerzielle Konzerte. Eine ZDF-Dokumentation schlüsselt das Netzwerk der Szene auf.

Dass die Konzerte überhaupt noch als öffentliche Versammlungen gemeldet sind - wenn doch offensichtlich ist, dass dort vor allem auch Geld gemacht wird - ist das Problem, das Thomas Jakob sieht. Mit dem Bündnis "Wir für Thüringen" macht er aktiv mobil gegen die Neonazi-Konzerte, organisiert Gegendemos und spricht vor dem Petitionsausschuss des Landtages: "Wir hoffen, dass der Petitionsausschuss sagt: Lasst höchst richterlich abklären, wo liegt genau die Grenzlinie zwischen einer politischen Versammlung, einer kommerzieller Veranstaltung, um hier eine Klarheit auch für die Zukunft zu haben."

Das Versammlungsrecht ist ein wichtiges Grundrecht in Deutschland. Es ist nicht weniger wichtig, dass dieses Recht nicht missbraucht wird, um lukrative, kommerzielle Veranstaltungen zu machen. Die Veranstalter selbst sprechen davon, dass sie gerade kostendeckend arbeiten und die Spenden der NPD für ihre politische Willensbildung zufließen.

Rechtsrock in Deutschland

Bei so vielen Konzerten und Gästen - das klingt absurd - sagen sämtliche Kritiker: Mehrere Millionen Euro wurden alleine 2018 eingenommen. Auf den Konzerten werden ja nicht nur Spenden gesammelt, sondern auch CDs und Merchandise-Artikel verkauft, also T-Shirts, Hoodies, Aufkleber usw.

Die bekannten und offen rechtsradikalen Organisatoren wie Tommy Frenck oder Thorsten Heise betreiben selbst auch Onlineversandhäuser, Labels und organisieren neben den großen Konzerten wie in Themar, auch viele kleine Privatveranstaltungen. Der Fotograf Andre Aden beobachtet die Szene schon seit Jahren: "Hinter verschlossenen Türen wird ganz offen nationalsozialistische Propaganda getätigt. Es gibt einen Aufruf zu Straftaten, zu Hass und Gewalt. Es findet dort eine Brutalisierung der Szene statt."

Auch der Tatverdächtige im Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke ist in dieser Szene unterwegs gewesen. Vor allem muss erst einmal anerkannt werden, dass es sich nicht um ein paar vereinzelte Neonazis handelt, sondern um ein engmaschiges Netz von gewaltbereiten Akteuren, die sich seit Jahrzehnten auch international gegenseitig stärken.

"Straftaten müssen von der Polizei konsequenter verfolgt und geahndet werden. Und die Unternehmen der Organisatoren wie Labels, Musikproduktionsfirmen und Versandhäuser müssen gestoppt werden", so Andre Aden in der Dokumentation "Rechtsrock in Deutschland". Welche Organisatoren und Produzenten das sind und ihre jeweilige Geschichte und Verbindungen - all das zeigt uns die Dokumentation gut sortiert und pointiert erzählt.

Stand: 06.11.2019, 12:00