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"Loving Vincent" - Ein Film wie ein van Gogh Gemälde

Vincent van Gogh (Robert Gulaczyk) in einer Szene des Kinofilms "Loving Vincent"

"Loving Vincent" - Ein Film wie ein van Gogh Gemälde

Von Emily Thomey

Der Film erzählt die Lebensgeschichte des Malers Vincent van Gogh. Das Besondere an diesem animierten Spielfilm ist, dass er zunächst mit Schauspielern gedreht und dann Bild für Bild nachgemalt wurde.

Dass er sich das Ohr abgeschnitten hat, ist wohl die bekannteste Legende um den Maler Vincent van Gogh, der zeit seines Lebens keinen Erfolg mit seinen Bildern gehabt hat und erst nach seinem Tod zu Ruhm kam. Heute sind van Gogh Austellungen wahre Publikumsmagnete - egal in welcher Stadt oder zu welchem Thema die Besucherzahlen sind enorm. Ab heute ist ein Film über Vincent van Gogh im Netz zu sehen. Der Film ist komplett gemalt. Ja, nicht gefilmt, sondern Frame für Frame gemalt. Von über 100 Malern. "Loving Vincent" ist ein Mammutprojekt, der dann auch diverse Preise gewonnen hat.

Rund 65 000 Gemälde für einen Film

Die Technik an sich gibt es im animierten Film schon sehr lange: Schauspieler spielen und werden dabei gefilmt. Die Bilder werden dann im Nachhinein übermalt - in Falle von "Loving Vincent" mit Ölfarben. Der Film besteht also aus über 65 000 Gemälden - viele davon werden van Gogh Kenner wiedererkennen, weil Originalwerke des Malers in die Szenerie eingebaut sind. Die Geschichte des Films erzählt die Suche eines jungen Mannes namens Armand nach der Wahrheit um van Goghs Tod: "Für viele starb er als Märtyrer der Kunst. Ich fand das merkwürdig. In nur acht Jahren war er von einem Amateur zu einem Einflussreichen Maler geworden. Unglaublich und er war geheilt - seinem Arzt zufolge."

Selbstmord oder Mord?

Aber nur wenige Wochen später starb Vincent van Gogh an den Folgen eines Bauchschusses, den er sich selbst zugefügt haben soll. Und da beginnt das Rätsel: Hat er sich selbst erschossen? Warum hat sein Freund und Arzt ihn nicht behandelt? Und war er wirklich geheilt? Wirklich Antworten gibt uns der Film nicht, sondern er funktioniert mehr wie ein Krimi mit offenem Ende. Auf der Suche trifft Armand sämtliche Menschen, die auch van Gogh getroffen und zum Teil auch gemalt hat, manche von ihnen zweifeln an der Selbstmord-Variante im Weizenfeld: "Ja, manche Menschen behaupten das. Aber ich kenne niemanden, der ihn wirklich im Weizenfeld gesehen hat. Die Polizei hat seine Sachen durchsucht und sie haben nichts gefunden: Keinen Revolver, keine Malsachen, keine Bilder, die er gemalt hat." Aber es gibt Zeugen, die berichten, dass Vincent gesagt hat, er habe sich selbst erschossen. Viel wichtiger als die Antwort auf diese Frage, ist allerdings das Werk des Künstlers, der als Vater der modernen Malerei gefeiert wird.

Der Maler bleibt hinter den Gemälden zurück

Wer sich erhofft, das Werk des Künstlers nach dem Film besser zu verstehen wird enttäuscht und das ist auch der Kritikpunkt an "Loving Vincent": Mit dem Film feiern die Macher die Kunst von van Gogh, die Art wie er mit Farben umgegangen ist, sie zum Leuchten gebracht hat und die Farbe dick und großzügig aufgetragen hat, so dass die Bilder fast schon etwas dreidimensionales bekommen haben. Den visuellen Genuss der Bilder haben die Filmemacher*innen wirklich sehr gut auf die Leinwand gebracht und dafür einen enormen Aufwand auf sich genommen - das ist sehr beeindruckend. Der Film vermittelt aber nicht, wie und warum van Gogh so bedeutend ist. Trotzdem lohnt sich der Spielfilm für alle, die van Goghs Bilder gerne anschauen.

Stand: 30.10.2019, 09:00