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"Welcome to Sodom" - Über das Leben auf einer Müllkippe

Doku: "Welcome to Sodom"

"Welcome to Sodom" - Über das Leben auf einer Müllkippe

Von Emily Thomey

Wenn wir hier in einen Handyladen gehen, können wir auf frisch polierten Glasoberflächen die neusten Modelle von Smartphones kaufen. Am anderen Ende der Kette landen die Geräte auf den Müllhalden in Ländern weit weg von uns. Eine der größten Müllkippen dieser Art liegt in Accra, Ghana. 6000 Menschen arbeiten hier und verwerten den Elektroschrott, den wir in Europa produzieren. Die Müllhalde wird Sodom genannt - von den Menschen, die dort leben und arbeiten. Die Dokumentation "Welcome to Sodom" zeigt uns das Leben dort und ist jetzt online.

So weit das Auge reicht ist Sodom voll von Schrott: Computer, Kabel, Plastik aber auch kaputte Busse oder Reifen liegen hier überall herum. Dazwischen kein einziger Baum oder Strauch, dafür aber Rinder, Vögel oder Schafe und all die Menschen, die den Müll zerlegen, um wertvolle Metalle daraus zu gewinnen. Erstaunlicherweise gibt es trotzdem Menschen, die froh sind, in Sodom zu sein, wie dieses Mädchen, das sich als Junge fühlt: "Hier ist ein guter Ort. Ich kann arbeiten und Geld machen. In meiner Heimatstadt würde mich die Polizei verhaften. Hier ist es egal: Alle Kinder arbeiten. Jungs verkaufen Metall, Mädchen verkaufen Wasser."

Das Mädchen, deren Namen wir nicht erfahren, fühlt sich immer schon als ein Junge. Er verkauft demnach auch Metall und kann damit viel mehr Geld zu verdienen als Wasserverkäufer. An so einem Ort zu arbeiten, ist für jeden, aber vor allem für Kinder extrem ungesund. Überall sehen wir Rauchschwaden von verbrannten Kabeln, weil das Kupfer heraus gebrannt wird.

Die Müllhalde befindet sich auf einem Sumpfgebiet. Das heisst, es passiert immer wieder, dass Menschen einfach einsinken und verschwinden. Für diesen Mann ist sie trotzdem ein sicherer Ort: "Ich wohne hier, weil die Halde eine Art Niemandsland ist. Niemand fragt zu viele Fragen hier. Für mich ist es für eine Zeit ein sicheres Zuhause."

Der Mann ist schwul und musste Gambia deswegen verlassen - er hat sein Studium dort aufgegeben und wird auch auf der Müllhalde Sodom nur für eine Weile sicher leben können.

Die beiden Filmemacher von "Welcome to Sodom" kommen aus Österreich. Der meiste Müll in Sodom stammt aus Europa - es wird also nicht leicht sein an so einem Ort als Weiße zu filmen. Man merkt deutlich, dass sie den Menschen dort auf Augenhöhe begegnen wollen, ihr Leben nicht vorverurteilen oder mit einer großen Erzählung daher kommen.

Das macht den Film wirklich sehenswert. Außerdem schaffen sie es, erstaunlich schöne Bilder zu kreieren, wenn die Arbeiter*innen tanzen, singen, sich waschen, Fußball spielen und anderen alltäglichen Dingen nachgehen. Es gibt viele Situationen, die im Kopf nachhallen und uns nachdenklich machen werden, wenn wir das nächste Mal etwas wegschmeißen, was dann vielleicht auch in Sodom landet.

Stand: 18.10.2019, 09:00