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"Brotherhood": Die Geschichte eines IS-Rückkehrers als klassisches Drama

Brotherhood

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Brotherhood": Die Geschichte eines IS-Rückkehrers als klassisches Drama

Von Nora Wilker

Der Schafhirte Mohamed lebt mit seiner Frau und zwei Söhnen auf dem Land in Tunesien. Als der älteste Sohn der Familie, Malik, von einem Einsatz für den Islamischen Staat in Syrien mit einer schwangeren, verschleierten Frau nach Hause zurückkehrt, gerät das Leben der Familie in Aufruhr.

Das ist die Story hinter dem grandiosen Kurzfilm "Brotherhood" von Meryam Joobeur. Nach Maliks Rückkehr steht seine Familie vor einen Konflikt: Die Mutter findet, sie sollten Malik unterstützen, solange er lebt, schließlich sei er ihr Sohn. Dem Vater fällt das schwer. Er vertraut Malik nicht mehr und hat Angst, dass er seine jüngeren Brüder auch radikalisieren will.

Als die 14-jährige Syrierin, die Malik als seine Ehefrau ausgibt, der Mutter mit nackten Händen beim Spülen hilft, bittet sie den Vater, rauszugehen. Darauf der Vater: In dem Haus, das er selbst gebaut habe, wolle er nicht durch die Gegend gescheucht werden, jedes Mal, wenn sie sich dazu entscheide ihre Handschuhe auszuziehen. Am nächsten Morgen ist der Vater allein in einem kleinen Lebensmittelgeschäft, leiht sich vom Verkäufer ein Handy aus, ruft die Polizei - und verrät seinen Sohn. Noch bevor die Polizei bei der Familie eintrifft, nimmt das Ganze eine dramatische Wendung. Das verängstigte syrische Mädchen erzählt die Wahrheit: "Das Baby ist nicht von Malik. Ich wurde dazu gezwungen, mehrere IS-Kämpfer zu heiraten."

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Dem Vater wird klar: Sein Sohn Malik hatte sich aus eigenen Stücken bereits vom Islamischen Staat abgewendet und wollte dem syrischen Mädchen, das er mit nach Tunesien zu seiner Familie gebracht hat, nur helfen. Als er das versteht, rennt er zum Strand, um seinen Sohn noch vor dem Eintreffen der Polizei abzufangen. Ob er das noch schafft? Wir spoilern nicht.

Das Spannende ist, der Regisseur behandelt ein aktuelles Thema - seit dem Sturz des Diktators 2011 haben sich in Tunesien viele Menschen radikalisiert - in der Form eines klassischen Dramas. Am Anfang steht ein Rätsel: Was hat es mit dem zurückgekehrten Sohn und der Frau auf sich? Dann folgt der emotionale Höhepunkt als man erfährt, dass der Sohn aus eigenen Stücken vor dem IS geflohen ist und der Vater ihn trotzdem verraten hat. Und am Ende: Lösung des Konflikts oder Katastrophe? Wer den Film auf großer Leinwand schauen will, kann "Brotherhood" im November beim Kölner Kurzfilmfestival KffK sehen.

Stand: 09.10.2019, 12:00