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"Ibiza – The Silent Movie"  - Der lauteste Stummfilm der Welt

Ein Elvis-imitator am Strand von Ibiza  Screenshot aus Ibiza – The Silent Movie"

"Ibiza – The Silent Movie"  - Der lauteste Stummfilm der Welt

Von Christian Werthschulte

"Ibiza - The Silent Movie" ist der vermutlich lauteste Stummfilm der Welt: Er erzählt die Geschichte der Insel von der ersten Besiedlung durch die Phönizier im siebten Jahrhundert vor Christus bis zu den Partytouristen der Gegenwart, die jedes Jahr über die Superclubs der Insel herfallen.

Einer der Superclub-DJs, Fatboy Slim, hat den Soundtrack zu "Ibiza-The Silent Movie" zusammengestellt, der hauptsächlich aus House- und Techno-Klassikern besteht. Die Bilder dazu kommen von Julian Temple, der mit Popvideos etwa für die Sex Pistols bekannt geworden ist.

Temple collagiert für seinen Film Dokumentaraufnahmen, nachgestellte Szenen und Hollywood-Filme. Alle Fakten und Informationen stehen auf Texttafeln - wie im Stummfilm des frühen 20. Jahrhunderts. Dazu gibt es dann einen passenden Soundtrack. Zum Beispiel nordafrikanischen Dessert Blues, wenn es um die Besiedlung der Insel durch die Mauren um das Jahr 1000 geht. Das funktioniert am besten, wenn man sich dem Flow der Bilder unterwirft. "Ibiza - the Silent Movie" funktioniert wie ein guter DJ-Mix: mit vielen Stimmungswechseln, aber auch so, dass man beim Zusehen vor allem Spaß hat. Schließlich besteht der Großteil des Films aus Partyszenen mit feiernden Menschen.

Trotz der Feier des Hedonismus erzählt "Ibiza - The Silent Movie" interessante historische Fakten, zum Beispiel, dass Ibiza durch den Faschismus zum Partyparadies wurde. Ab 1932 haben Intellektuelle und Künstler auf der Flucht vor dem Rechtsruck in Europa sich auf die Insel zurückgezogen, etwa Albert Camus und der Dada-Künstler Raoul Hausmann. Die Dadaisten haben nackt gebadet und in einer Windmühle eine Art Nachtclub gegründet. Die Künstler mussten dann vor den Faschisten und ihren Verbündeten wieder fliehen.

Nach der Niederlage im zweiten Weltkrieg war Franco dann nachsichtiger, als die Beatniks und Hippies ab den 50ern die Insel aufsuchten. Er hat sie als Avantgarde begriffen und die Insel für den Massentourismus erschlossen. Und bis heute hat die Insel diese beiden Seiten: einerseits hemmungslosen Hedonismus auf den Techno-Partys. Andererseits gehen die Behörden auch oft autoritär vor, wenn ihre Vorschriften missachtet werden.

Stand: 02.10.2019, 06:00