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Rap in Russland - Der Kampf um die Meinungsfreiheit

Rap in Russland

Rap in Russland - Der Kampf um die Meinungsfreiheit

Von Emily Thomey

Rap ist bekannt dafür zu protzen und zu provozieren. Gerne geht es um dicke Autos, Frauen in Bikinis und Geld zum Abwinken. Rap hat aber auch eine politische Seite. "Das CNN der Straße", hat Chuck D es mal genannt.

Wie sieht es in Russland aus, einem autoritär geführten Land, in dem Oppositionellen immer Gefahr laufen, im Gefängnis zu landen? Große Rapper erreichen dort ein Millionenpublikum - aber sind sie auch kritisch? Arte zeigt gerade eine Reportage darüber. Und es gibt sogar ein, zwei erfolgreiche Rapper und Rapperinnen, die sich vor der Kamera zeigen, wie Face zum Beispiel.

In dem Song "Dropping the West" rappt Face vulgäres Zeug über Michelle Obama und die Tochter von Trump. Wenn Face sich kritisch zu Putin äußert, dann nur verpackt in Watte - also indirekt. Er traut sich aber immerhin überhaupt Kritik an den gesellschaftlichen Umständen zu üben. In seinem Song "Komiker" singt er darüber, wie es ist, in einem unfreien Land zu leben: "Mit Komiker will ich ausdrücken, dass jede Form von Zensur heutzutage im Jahre 2019 vollkommen inakzeptabel ist. In einem Land, das sich so gerne als hochentwickeltes Land sieht. Die Menschen haben das Recht auf freie Rede, auf Selbstverwirklichung und auf Meinungsfreiheit." Und so rappt er: "Gold an meinem Handgelenk. Ich bin ein Komiker. Du erzählst den falschen Witz und sie setzen dich auf die schwarze Liste. Dann bist du nicht mehr auf der Seite des Zaren."

Rap in Russland

Face ist sehr bedacht darin, was er öffentlich sagt und wie er sich präsentiert. Für viele, vor allem junge Leute, ist er ein Vorbild. Rapper, die kritisch sind, landen im schlimmsten Fall im Gefängnis, so wie es dem Rapper Husky schon passiert ist. Erst wurden seine Konzerte verboten und als er dann auf einem Autodach für seine Fans gerappt hat, wurde er festgenommen.

Sehr viele Rapper lehnen deswegen auch Interviews ab oder ziehen sich zurück - wie das Duo Ic3Peak, das an einem geheimen Ort außerhalb von Moskau lebt. Auch manche ihrer Konzerte wurden schon verboten: "Danach haben wir gedacht: Was passiert, wenn das jetzt so weitergeht? Wenn sie uns offiziell sperren? Falls sie anfangen unsere Songs aus dem Internet rauszunehmen, wenn sie den Zugang zu unserer Homepage sperren. Dann würden wir uns überlegen, ob wir Russland nicht verlassen sollen."

Seit 2018 hat Putin konkret angefangen, die kritische Rapszene anzugreifen. Im Verhältnis zum gesamten Rapbusiness in Russland betreffe das relativ wenige, sagt ein Clubbetreiber, der regelmäßig Newcomer-Wettbewerbe in Moskau veranstaltet: "Der prozentuale Anteil der Rapper, die kritische Texte schreiben, ist verdammt klein. Ich würde sagen, rund 80 Prozent machen das, was man im Westen unter Hussle-Rap versteht: Sie tun es für Geld, Frauen, Juwelen und Gold." Die anderen 20 Prozent sind auch kritisch, aber seit den Verhaftungen und Verboten sind alle vorsichtiger geworden - auch in ihren Texten. Die Reportage gibt einen guten Überblick über die Szene und hat trotz der Umstände viele spannende Künstler vor die Kamera bekommen.

Stand: 11.09.2019, 12:00