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Wie ein Kunstaustausch mit Nordkorea aussieht

Screenshot: "Nordkorea - Kunst im Schatten der Bombe"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Wie ein Kunstaustausch mit Nordkorea aussieht

Von Emily Thomey

Kunst provoziert und im besten Fall zeigt sie uns eine neue Sicht auf die Welt, so wie wir sie bisher noch nicht gesehen haben. Kunst in einem Land wie Nordkorea darf nicht provozieren, weil dort staatlich vorgeschrieben ist, was richtig und was falsch ist. Wie also kann ein Kunstaustausch mit so einem Land aussehen? Geht das überhaupt: ausländische Künstler im Austausch mit nordkoreanischen Künstlern?

Genau diese Fragen hat sich der norwegische Künstler Morten Traavik gestellt und den Austausch in die Tat umgesetzt. Arte hat ihn dabei begleitet. Wie Traavik das geschafft hat? Er kennt das Land gut, hat es mehrfach besucht und sein Projekt auf offiziellem Wege genehmigt bekommen. Die Bedingung: Traavik musste versprechen, Vermittler der nordkoreanischen Kultur zu sein. So verlangen es die Offiziellen.

Dem Filmemacher Tommy Gulliksen, der die Künstlergruppe begleitet, hat Traavik allerdings anvertraut, dass das Projekt wie ein trojanisches Pferd sein soll: "Es geht nicht darum, Frieden und Demokratie nach Nordkorea zu bringen. Das müssen sie selbst schaffen. Wir wollen ihre und unsere Perspektive auf die Welt hinterfragen, die Strukturen von innen bekämpfen statt von außen."

Die Gruppe soll in der Hauptstadt Pjöngjang nordkoreanische Künstler kennenlernen, mit ihnen in Ateliers zusammenarbeiten und zum Schluss sollen alle ihre Werke präsentieren. Erwartungsgemäß hatten sie ihre Schwierigkeiten mit den Nordkoreanern. Einige wurden mit ihren abstrakten und provokanten Werken nicht ernst genommen wie der Norweger Henrik Placht, dessen abstrakte Malerei als bedeutungslos beschrieben wird.

Der Berliner Klangkünstler Nik Nowak durfte seine Werke sogar erst nach intensiven Verhandlungen präsentieren. Traavik bringt das Problem auf den Punkt, wenn er sagt: "Ich denke, dieses Projekt und was dabei herauskommt, zeigt das Dilemma, in dem die Nordkoreaner sich befinden. Sie sehnen sich nach einer Art kontrolliertem Kontakt zur Außenwelt. Aber man kann keinen Kontakt haben, ohne beeinflusst zu werden."

Am liebsten wäre es den Koreanern gewesen, wenn sie die Künstlergruppe einfach herumgeführt und ihnen ihre Kunst gezeigt hätten, aber nicht umgekehrt. Aber dann wäre es ja kein Kunstaustausch und so sehr sich die Koreaner wehren, letztlich dürfen alle präsentieren, was sehr interessant ist – vor allem auch, weil zeitgleich zu dem Kunstaustausch das nordkoreanische Regime Wasserstoffbomben testet. In der ausländischen Gruppe schürt das die Angst vor einem Krieg, während die Nordkoreaner mit Stolz von der Stärke ihres Landes schwärmen.

Die Dokumentation zeigt uns diesen Kulturclash, der uns alle etwas angeht und damit auf jeden Fall beide Seiten und auch uns als Zuschauer beeinflusst hat, beziehungsweise beeinflussen wird, wenn ihr euch die Doku anschaut.

Stand: 14.08.2019, 10:46