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"Shooting the Mafia": Eine Doku über die Frau, die die Mafia fotografierte

Shooting the Mafia, ARD Dokumentation

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Shooting the Mafia": Eine Doku über die Frau, die die Mafia fotografierte

Von Emily Thomey

Es gibt das Sizilien, das als Urlaubsziel beliebt ist. Die Insel im Mittelmeer mit ihrer Felsenküste, den Buchten mit ihren Sandstränden. Aber es gibt auch das Sizilien, das durch grausame Morde bekannt geworden ist. Die sizilianische Mafia, die Cosa Nostra, verbreitet dort bis heute ihren Schrecken. Darüber gibt es jetzt eine ARD-Doku.

Die Dokumentation "Shooting the Mafia" zeigt eine der bekanntesten Fotografinnen Italiens, Letizia Battaglia. Sie war die erste Frau, die sich traute die Verbrechen der Mafia zu fotografieren. Letizia Battaglia war schon verheiratet und zweifache Mutter als sie mit 40 Jahren das erste Mal eine Kamera in die Hand nahm, um zu fotografieren. Nach der Trennung von ihrem Mann versuchte sie ein neues Leben anzufangen und hat für die Tageszeitung L’Ora gearbeitet.

"Ich glaube, es war gut, etwas verrückt zu sein. Was einem das bringt? Vielleicht etwas Mut. Ich sehe, dass ich mutig bin." Und wie mutig sie war! Sie war oft eine der Ersten am Tatort, hat sogar festgenommene Mafiabosse wie Luciano Leggio aus nächster Nähe fotografiert und sich damit in Lebensgefahr gebracht. "Immer, wenn ich das Haus verließ, dachte ich, vielleicht werde ich erschossen. Man gewöhnt sich daran. Ich wurde angespuckt. Ich bekam nachts Todesdrohungen am Telefon. Sie schicken mir anonyme Briefe." Aber Nichts davon hat sie abgehalten, ihre Bilder zu machen und zu veröffentlichen.

Bilder, von denen wir in der Dokumentation einige sehen können. Der Film ist aber mehr als ein Porträt von Letizia. So wie Letizia Chronistin der Mafiaverbrechen war, zeigt uns die Dokumentation den Kampf gegen die Mafia von den 70er Jahren als Letizia angefangen hat, zu fotografieren, bis in die 80er und 90er Jahre.

Damals fanden die ersten großen Gerichtsprozesse gegen die Mafia statt und in den 90er Jahren wurden dann zwei sehr wichtige Mafiagegner und Ermittler Giovanni Falcone und Paolo Borsellino von der Mafia ermordet. Beide kannte Letizia, die inzwischen Stadträtin von Palermo war, persönlich: "Die Zeit als Abgeordnete war die schlimmste Zeit meines Lebens. Demütigend. Ich tat nichts und bekam jeden Monat einen Haufen Geld dafür. Entscheidungen wurden woanders getroffen und die Mafia gab es immer noch."

Als Politikerin wollte Letizia endlich mehr tun, als nur Bilder von den Verbrechen zu machen. Bis heute sind ihre Bilder allerdings viel stärker als ihre politische Arbeit. Die Bilder von Letizia sind nicht voyeuristisch, sondern ästhetisch, voller Liebe für das Handwerk, politisch brisant und damit bis heute aktuell. Neben den vielen grausamen Momenten, die Letizia erlebt hat, erfahren wir auch von ihren Liebhabern, ihrem wilden Leben und ihrer Kraft als unabhängige, starke Frau, die sie auch jetzt im hohen Alter noch ist.

Stand: 07.08.2019, 14:53