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Australien Buyers Club

Videostill aus der The Guardian Doku "Buyers Club": Mike Elliot, Leiter für medizinische Angelegenheiten bei Gilead, und Preise des Medikaments in verschiedenen Ländern

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Australien Buyers Club

Von Emily Thomey

Eine Geschichte wie im oscar-prämierten Film "Dallas Buyers Club", in dem ein erkrankter Cowboy (Matthew McConaughey) in den 80er Jahren an Aids erkrankt und dann illegal günstigere Medikamente aus Mexiko importiert, könnte auch in Schweden, Australien oder Rumänien spielen - heute.

Auch dort sind Menschen schwer erkrankt - zum Beispiel an Hepatitis C - und können sich die Behandlung nicht leisten. Die Dokumentation "Buyers Club" ist kein Spielfilm, sondern Realität - nur in einem etwas anderen Setting. Der Held des realen Buyers Club heißt Greg Jefferys, wird vermutlich auch keinen Oscar bekommen, sondern riskiert, dass er angeklagt wird, eine Strafe zahlen muss oder sogar im Gefängnis landet. Aber wenn er nicht macht, was er tut, dann werden ganz sicher Menschen sterben, sagt er: "I might get a fine, arrested, jail. If I don’t do what I am doing, people will die."

Greg exportiert indische Generika, also günstige Versionen von teuren Marken-Medikamenten und schickt sie an Hepatitis-C-Patienten in der ganzen Welt. Er und seine indischen Partner kennen mittlerweile alle Tricks und Gesetzeslücken in sämtlichen Ländern weltweit, um nicht erwischt zu werden, erzählt er in der Dokumentation des Guardian.

Im Fall der Hepatitis-C-Generika hält der Pharmakonzern Gilead das Patent auf die Medikamente, bestimmt den Preis und gibt vor, wo die günstigen Medikamente vertrieben werden dürfen. Mike Elliot ist Leiter des medizinischen Bereichs bei Gilead und begründet den hohen Preis in manchen Ländern damit, dass die Forschung so teuer sei: "Somewhere in the system we need to recover the costs so we can invest in more good research." Für Medikamenten-Händler Greg Jeffreys ist das eine faule Ausrede. Er sagt, dass die Kosten schon im ersten Jahr nach der Veröffentlichung des Medikaments in 2013 wieder eingespielt wurden.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es auch ganz anders gehen kann: Der Entdecker von Penicillin, Alexander Fleming, hat damals entschieden, dass das Medikament zu wichtig ist, allen Menschen zugänglich sein sollte, die es brauchen und deswegen kein Patent angemeldet. Für Greg ist der Unterschied auf ein Wort zu reduzieren: Gier.

Der öffentliche Druck auf den Pharmakonzern hat jetzt schon dazu geführt, dass der Preis gesenkt wurde. Aber er liegt immer noch bei 24.000 US-Dollar, was 25 mal so teurer ist, wie die Generika aus Indien.

Stand: 14.06.2019, 06:00