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Doku "Brexitannia" - eine Meditation über die Macht des Volkes

Brexitannia

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Doku "Brexitannia" - eine Meditation über die Macht des Volkes

Von Emily Thomey

Der Brexit-Thriller hat genug Stoff für eine Serie. Die gibt es aber noch nicht. Das ist aber vermutlich nur eine Frage der Zeit. Es gibt aber heute schon eine Dokumentation über den Brexit, die ihr im Netz sehen könnt: "Brexitannia" heisst sie und handelt von den Menschen, die den ganzen Hickhack zu verantworten haben: Die Menschen, die gewählt haben.

Der Regisseur Timothy George Kelly trifft die Leute in ihren Wohnzimmern, in ihren Küchen oder sitzt mit ihnen in einer Bar oder im heimischen Garten. Das hat etwas sehr privates, so als würden wir selbst durch das Land reisen und mit hunderten Menschen über ihre Entscheidung sprechen. Vom Spektrum der Argumente ist alles dabei: "I think people are just struggeling and they just desperately needed somebody to blame." Oder: "It’s one of these very rare opportunities where they could say fuck off to the government" und "A one Word description of those who voted to leave: Freedom Lovers."

Es gibt Menschen, die geweint haben bei den Ergebnissen, hoffnungsvolle und frustrierte Stimmen, Leute, die an ihrer eigenen Entscheidung zweifeln oder richtig wütend darüber sind, dass der Brexit bevorsteht. "Brexitannia" ist in schwarz-weiß, mit ruhiger Standkamera gefilmt und daher wie eine Meditation über die Macht des Volkes. Wir hören all diese Argumente: einige davon klingen richtig bescheuert, sind sogar rassistisch aber andere sind auch sehr gute, bedachte Begründungen.

Es geht um Migration, Digitalisierung und Automatisierung, den Arbeitsmarkt oder Verschwörungstheorien. Im zweiten Teil der Dokumentation lässt Timothy George Kelly dann die vermeintlichen Expert*innen sprechen - also Philosoph*innen, Soziolog*innen,  und Ökonom*innen wie Noam Chomsky, Saskia Sassen oder Guy Standing.

Vermeintliche weil und sie durchaus detaillierter und komplexer über die Zusammenhänge aber ganz viele der Argumente, die im ersten Teil der Dokumentation auftauchen, werden hier im Prinzip nur noch einmal zusammengefasst und vertieft.

Saskia Sassen macht zum Schluss noch eine Aussage, die für mich gut zusammenfasst, was das Problem am Volksentscheid an sich ist: „To put the burden on a sort of mindless nationalism of those types of workers and families and cities that have lost so much ground because of the financialising, the coporotising and the internationalising of our national economy that is truly unfair and more importantly that doesn’t get us anywhere.“ Eine Lösung bietet „Brexitannia“ natürlich auch nicht aber einen fundierten Blick auf die alle möglichen Argumente.

Stand: 22.03.2019, 14:00