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Die Doku "Viva la Vulva" erklärt das weibliche Geschlecht

Viva la Vulva, Dukumentation auf arte

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Die Doku "Viva la Vulva" erklärt das weibliche Geschlecht

Von Emily Thomey

In jeder Sprache gibt es Schimpfworte für das weibliche Geschlecht. Was sind denn eigentlich schöne Worte dafür? Und wie sieht sie eigentlich genau aus, die Vulva oder etwa die Klitoris? Erstaunlich viele Menschen wissen das nicht.

Die Arte-Dokumentation "Viva la Vulva" erklärt uns das weibliche Geschlecht, was leider immer noch bitter nötig ist. Dass Viele gar nicht genau wissen, wie das weibliche Geschlecht aussieht, ist nicht verwunderlich. 3-D-Modelle der Klitoris sind im Biologieunterricht immer noch recht selten, erzählt Ovidie, Expertin für weibliche Lust: "Ein Biologielehrer meinte: Ich bin 40 Jahre alt, ich habe Kinder aber ich wußte nicht, dass die Klitoris so aussieht."

Ich persönlich habe im Biologieunterricht auch keine Klitoris als Ganzes kennengelernt, sondern mir die Infos aus dem Internet geholt. Das Wissen darüber, wie die Klitoris aussieht, ist aber tatsächlich schon alt. Im 16. Jahrhundert wußte man schon, das die Klitoris nicht nur der kleine von außen sichtbare Punkt ist, sondern es im Inneren ein ganzes Organ mit großen Schenkeln gibt. Nur wurde das in der Wissenschaft schlicht ignoriert und dadurch vergessen.

Das ist aber nicht der einzige Mythos, mit dem der Film "Viva la Vulva" aufräumt. Vor allem für Frauen können solche Mythen sehr schmerzhaft werden, wenn es heisst, Genitalbeschneidung sei eine Methode für mehr Hygiene. Oder die Mythen werden sogar lebensbedrohlich, wie für Seyran Ateş, die als Anwältin Frauen beraten hat und sich nur noch mit Personenschützern bewegen kann. Ateş hat einen Anschlag auf ihre Beratungsstelle nur knapp überlebt: "Die Frau, die ich beraten habe, ist gestorben. Ich bin sehr schwer verletzt worden. Die Kugel steckte im Hals. Dieser Anschlag war ein Anschlag gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen."

Das war Mitte der 1980er Jahre. Seitdem hat sich Einiges getan, aber auch heute noch kommt es vor, dass Frauen die Schuld gegeben wird, wenn sie vergewaltigt werden. Die Argumente sind immer die gleien: Zu kurzer Rock, zu spät Nachts unterwegs, zu betrunken.

Wer jetzt auf Polyamorie verweist, wie Tinder-Dates doch alles voll befreit haben und Pornos ja eh jeder guckt, der übersieht, dass es einfach nur neue Normen der Unterdrückung des Weiblichen gibt. Die Autorin Ovidie hat sich intensiv mit Pornos beschäftigt und sagt: "Felactio war ein Tabu und jetzt ist es obligatorisch, dass heißt wir sind vom moralischen Verbot direkt zu einer Verpflichtung übergegangen. Wir müssen alles ausprobieren und müssen sexuell sehr freizügig sein."

Selbstbestimmung aber heißt, die Wahl zu haben, das zu tun und zu lassen, was du willst. Die Doku "Viva La Vulva" macht das plausibel und unterhaltsam deutlich, auch wenn sie formal eher unspektakulär mit Interviews und illustrativen Bildern arbeitet.

Stand: 06.03.2019, 14:55