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Neue Doku über das Innenleben Londoner Gangs

Inside London's Gang Violence

Sehenswertes aus Netz und TV

Neue Doku über das Innenleben Londoner Gangs

"Inside Londons Gang Violence" ist eine Dokumentarfilm, der den gewalttätigen Alltag in den Londoner Gangs zeigt. | Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV.

Für junge schwarze Briten ist das Leben in der Hauptstadt London gefährlich geworden. Die Gewalt unter jungen Menschen ist dort so hoch wie lange nicht mehr. 80 Morde gab’s in der ersten Jahreshälfte 2018 in London, der Großteil der Opfer waren junge Männer oder Teenager wie der 17-jährige Rapper Rhyhiem Barton, der im Mai 2018 erschossen wurde. "In der Musik konnte Rhyhiem sich so ausdrücken, wie er das im Alltag nie konnte", erzählt sein Fußballtrainer Sayce Holmes-Lewis, der eine Art Vaterfigur für ihn war. "Seitdem er acht Jahre alt war, hat ihn so ziemlich jede Institution in seinem Leben zurückgewiesen. Aber er war ein guter Junge." Politiker und Polizei in London sehen das anders. Sie machen vor allem Drill für die Gewalt unter jungen Männern verantwortlich, einen HipHop-Stil, den auch Rhyhiem produziert hat.

Kreislauf der Gewalt

In "Inside Londons Gang Violence" wird diese These gar nicht erst weiterverfolgt. Stattdessen gelingt es der Journalistin Kumba Kpakima, einige der mehr als 3000 Gangmitglieder in London zum Interview zu treffen. Darunter die Woolwich Boys aus Süd-London: "Wenn du ein Messer trägst und in einen Streit gerätst, wird nicht mit Fäusten gekämpft. Es ist 2018: Die anderen ziehen eine Waffe, also ziehe ich auch eine. Auge um Auge, Zahn um Zahn", erzählt einer der jungen Männer. Er beschreibt einen Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt, der für ihn Alltag ist.

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Schattenökonomie der Gangs

"Inside London's Gang Violence" hält sich mit Erklärungsversuchen für die Gewalt angenehm zurück. Die Gangmitglieder selbst kommen zur Sprache, aber auch daraus lassen sich Schlussfolgerungen ziehen. Fast alle Gangmitglieder erklären, dass sie in erster Linie ihr Territorium, also die Straßen mit ihrer Postleitzahl, verteidigen, als wäre es ihr Eigentum. Gleichzeitig wird deutlich: Sie besitzen eigentlich nichts - keine Eigentumswohnung, keine gute Ausbildung, vielleicht noch ein Auto, das sie mit Drogengeldern gekauft haben. Und damit deuten sie auf das große Ganze: Großbritannien ist das fünftreichste Land der Welt, und es toleriert inmitten seiner Hauptstadt einen Straßenkrieg der Abgehängten, der viele Opfer fordert.

Stand: 08.08.2018, 14:00