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Dina Mischina

Jamaikas Traum von der WM

Fans der jamaikanischen Nationalmannschaft, den "Reggae Boyz"

Sehenswertes aus Netz und TV

Jamaikas Traum von der WM

Von Emily Thomey

Die Dokumentation "Reggae Boyz - Jamaikas Traum von der WM" klingt im Titel zwar traurig, weil der Traum ja geplatzt ist, aber sie lohnt sich trotzdem, weil ganz viel von der Sehnsucht Jamaikas gezeigt wird, die in der Fußballwelt seinesgleichen sucht | Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV.

Nächste Woche ist es so weit. Am 14. Juni beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Russland. Was für ein Ereignis! Millionen Menschen weltweit fiebern schon darauf hin, wollen ihr Team anfeuern, fahren zu den Spielen oder treffen sich, um gemeinsam zu schauen, wer gegen wen gewinnt. Wir werden in COSMO natürlich davon berichten. Heute schauen wir auf ein Land, das leider nicht dabei sein wird, obwohl Fußball auch dort unglaublich wichtig ist. Die Rede ist von Jamaika.

Für den Inselstaat in der Karibik ist Fußball nicht nur ein wichtiger Sport, der gespielt und geschaut wird, sondern auch die Hoffnung auf ein besseres Leben, so zumindest für den Spieler Tuffy Anderson: "Da, wo ich herkomme, sind die Städte voller Gewalt. Die meisten Menschen im Ghetto müssen sich an Fußball halten. Denn Fußball ist eine der Sachen, die dich durchbringt, die dich da rausholt." Wie Tuffy geht es vielen - er ist irgendein Spieler, sondern einer der wichtigsten der Nationalelf, die auch "Reggae Boyz" genannt wird.

Bei den "Reggae Boyz" ist er aber erst seit 2013. Es stand damals gar nicht gut um die WM-Qualifikation von Jamaika. Und Winfried Schäfer war gerade zum neuen Trainer der Nationalelf ernannt worden. Tuffy spielte in der Amateurliga des Landes und hatte schon eine riesige Fanbase. Es gab sogar richtige Demos auf der Straße für Tuffys Aufnahme ins Team, weil er ein wirklicher Bewohner der Insel ist. Die meisten anderen Profispieler sind zwar in Jamaika geboren, haben aber sonst nichts mehr mit der Insel zu tun. Über Tuffy wurden sogar schon Songs gesungen. Die Leute wollen Tuffy, heißt es darin. Tuffy steht dafür, dass man alles schaffen kann, auch wenn man aus dem Ghetto kommt und als Fabrikarbeiter arbeitet.

Viel wichtiger als die Qualifikation, die Jamaika weder 2014 noch 2018 gepackt hat, ist wie viele Menschen Tuffy auf Jamaika inspiriert hat, sagt der Musiker Sheppy: "Tuffy hat jeden Mann, jede Frau, jedes Kind auf dieser Insel beflügelt. Es geht nicht ums Gewinnen. Manchmal muss man den größeren Sinn sehen. Vor allem für junge Menschen ist Tuffy ein wertvolles Vorbild. Ganz nebenbei treffen die Filmemacher sämtliche großen Musiker, wie Bunny Wailer oder Earl 'Chinna' Smith, die beide auch schon mit Bob Marley zusammen gearbeitet haben. Und so ist die Dokumentation vor allem eine Hommage an Jamaika, an die Kraft des Fußballs und die Kultur dieser einzigartigen Insel in der Karibik.

Stand: 08.06.2018, 06:00