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Was macht uns zu Helden?

Wesley Autry, der New Yorker U-Bahn-Held

Sehenswertes aus Netz und TV

Was macht uns zu Helden?

Von Emily Thomey

Superman, Anne Frank, Nelson Mandela - es gibt sie in allen Größen, Farben, Geschlecht oder Alter. Aber was macht sie aus? Was macht einen Menschen zum Helden? Die Dokumentation "10% Helden" suggeriert, dass nur wenige von uns überhaupt Helden sind | Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV.

Die Zahl stammt aus dem Stanley-Milgram-Experiment. In dem sollten Versuchspersonen andere Menschen mit Stromschlägen bestrafen, falls sie Fragen falsch beantworten. 90% aller Versuchspersonen haben in dem Experiment anderen Menschen Leid zugefügt, nur weil eine Autoritätsperson es ihnen befohlen hat.

Was ist also der gemeinsame Nenner der 10%, die sich geweigert haben - das fragt der Regisseur Yoav Shamir unter anderem Irena Steinfeldt. Sie ist Mitarbeiterin in der Gedenkstätte für die Helden im Nationalsozialismus: "Wir haben Aristokraten und Analphabeten aus allen Altersgruppen. Männer und Frauen. Menschen aus allen christlich-religiösen Strömungen, Moslems und Atheisten. Menschen mit den unterschiedlichen politischen Ansichten. Für mich gibt es keinen gemeinsamen Nenner."

Yoav Shamir gibt nicht auf und reist durch die ganze Welt, um die Blaupause fürs Heldentum zu finden. Er besucht im Kongo Bonobo Affen, die anders als Schimpansen friedlich miteinander leben und Sex statt Gewalt nutzen, um Konflikte zu lösen. Er lässt seine Gene testen und trifft auch ein paar Helden persönlich: Der Neurochirug James Doty hat 99% seines Vermögens verschenkt und damit riskiert, sogar von seiner Frau verlassen zu werden. Anderen Menschen Gutes zu tun, sagt er, schüttet im Lustzentrum unseres Gehirns Belohnungshormone aus - so wie Drogen oder Sex und das tut dann auch uns selbst gut. Warum wir das nicht immer tun, vergleicht Dr. Doty mit Sport: "Wir alle wissen, dass Sport gut für die Gesundheit ist. Warum treiben also so wenige Menschen Sport? Shamir: Ist es wirklich so einfach? Doty: So einfach ist es."

Wir könnten uns also darauf trainieren, uns heldenhaft zu verhalten und mehr Gutes zu tun. Aber reicht das schon? So einfach ist es nicht, denn wir leben in Gruppen. Welchen Einfluss die Gruppen auf unser Helden-Sein haben, hat Prof. Philipp Zimbardo analysiert: "Unser Leben wird von Institutionen geprägt: Familien, Schulen, Krankenhäuser, dem Militär. Menschen erfüllen ihre Aufgabe in der Gruppe. Ihnen wird gesagt, sei ein Teil des Teams und als Team begehen sie die Untat." Der Gruppendruck bringt uns dazu nicht immer das Gute zu wählen und ein Held zu sein. Im Kern macht einen Helden also aus, dass er oder sie eine andere Wahl trifft, als die Gruppe es verlangt. Zu wissen, welche Wahl die richtige ist, das ist dann die hohe Kunst.

Stand: 06.06.2018, 14:44