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Echte Menschen

Serienrausch: Real Humans

Sehenswertes aus Netz und TV

Echte Menschen

Von Emily Thomey

Serie über Roboter und Menschen | "Mustang", Coming-of-Age Film über türkische Mädchen | Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV.

Echte Menschen

 Stellt euch vor, ihr kommt morgens in die Küche und das Frühstück ist schon fertig. Eure Wäsche ist gewaschen und geputzt ist auch. Klingt gut, oder? Unsere Netzfilmfrau Emily Thomey empfiehlt uns heute eine Serie, die einen Vorgeschmack gibt auf ein Leben mit Robotern: "Real Humans" heißt die Serie.

Die "echten Menschen", die der schwedischen Serie ihren Titel geben, sind eine Aktivistengruppe, die das Leben mit den Hubots nicht so toll finden. Hubots sind Roboter, die verdammt menschlich aussehen also eher wie eine Mischung aus "Human" und "Robot" - Hubot eben. Die Mehrheit der Gesellschaft in der Science-Fiction Serie haben so einen technischen Gehilfen und die Hubots können richtig viel: Sie fahren Auto, helfen als Personal Trainer beim Fitnessprogramm, kochen, putzen und sollen sogar zwischenmenschliche Aufgaben übernehmen,preist dieser Verkäufer die Hubots an: "Sie leisten außerdem erste Hilfe, ambulante Pflege und zeichnet sich vor allem durch ihre soziale Kompetenz aus. Ein Gesellschaftshubot." Gleichzeitig haben die Hubots etwas Unheimliches an sich: Ihre Haut ist ganz bleich, die Augen sind krass leuchtend blau oder grün und sie bewegen sich robotermäßig abgehackt. In der ersten Folge von "Real Humans" überfallen Hubots ein älteres Ehepaar – das macht es dann gleich noch unheimlicher.

Freund oder Feind?

Es gibt verschiedene Arten von Hubots: Die, die völlig fremdgesteuert als Haushaltshilfen oder Lagerarbeiter brav vor sich hinarbeiten und nur regelmäßig mit Strom aufgeladen werden müssen. Die nerven vielleicht mal, wenn sie nicht funktionieren oder dumme Fragen stellen wirken aber ungefährlich. Dann gibt es aber noch Hubots, die nicht fremdgesteuert sind: "Du bist nicht frei, wie Mimi und die anderen aber du bist illegal und die Polizei wird dich zerstören, wenn sie dich findet."

Wann ein Hubot illegal ist und vor allem wie er frei wird, wir nicht sofort erklärt - das gehört zum Spannungsbogen der Serie. Wir wissen auch erstmal nicht, warum manche Hubots offenbar einen ziemlichen Hass auf Menschen haben. Kann man von Hass sprechen? Das ist die Kernfrage: Haben Maschinen Gefühle? Das Gute an "Real Humans" ist, dass die Serie erstmal keine eindeutige Position bezieht. Sie zeigt auf sehr glaubhafte Art und Weise, welche Vorteile und welche Nachteile ein Leben mit Robotern mit sich bringen könnte. Letztlich wirft "Real Humans" uns auch auf uns zurück: Was macht uns Menschen aus? Wie unmenschlich können wir sein und wie frei sind wir eigentlich?!

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Filmszene Mustang

Mutiges Spielfilmdebüt: "Mustang"

Ein Dorf am Schwarzen Meer. Fünf Schwestern, die sich gegen ihre Familie wehren, gegen Zwangsheirat und männliche Gewalt. Das ist die Geschichte von "Mustang" - ein preisgekrönter Spielfilm und das Debüt der türkisch-französischen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven. Heute könnt ihr den Film auf arte sehen und direkt im Anschluss die Dokumentation als Making off. In der Doku "Es war einmal … Mustang" erleben wir, wie der mutige und umstrittene Film entstanden ist.

In "Mustang" greift die Regisseurin Situationen auf, die sie selbst erlebt hat. Wie die Anfangsszene, in der die fünf Schwestern, um die sich der Film dreht, am letzten Schultag mit Freunden ausgelassen am Strand toben. Danach rasten der Onkel und die Großmutter, bei denen die fünf Schwestern wohnen, aus: Unzüchtig, nicht angemessen, ja verboten sei ihr Verhalten. Sie bestrafen sie, in dem sie die Schwestern einsperren.

Die Regisseurin Ergüven wurde aus ähnlichen Gründen schon zurecht gewiesen, nur hat sie sich damals nicht gewehrt, anders als ihre fünf Hauptdarstellerinnen in "Mustang". Die Schwestern sind wie junge Mustang-Pferde, die sich nicht einsperren lassen.

Der Film Mustang ist einer der wenigen Filme, der das Tabu "Gewalt gegen Frauen" auf die große internationale Filmbühne geholt hat. Es könne genauso passieren, sagt die Soziologin Gaye Petek, knapp die Hälfte aller Frauen in der Türkei habe schon wiederholt physische Gewalt erlebt: "Gewalt gegen Frauen ist absolute Realität. Da gibt es die Zwangsheiraten, die Vendetta der Familien, wenn das Mädchen einen Fehltritt begangen hat. Wenn sie am Hochzeitstag, in der Hochzeitsnacht keine Jungfrau mehr ist. All dies ist Teil der alltäglichen Unterdrückung."

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Für den Film hat Regisseurin Ergüven Laiendarstellerinnen gecastet und in einem intensiven Prozess die Rollen zusammen mit den jungen Frauen entwickelt. Dadurch wirkt das Spiel der Schwestern sehr natürlich und glaubhaft. Der Film "Mustang" hat viele Preise bekommen. Es gab aber harsche Kritik vor allem von türkischer Seite. Die Regisseurin Ergüven - die Wurzeln in Frankreich und der Türkei hat - musste sich anhören, dass sie gar keine Türkin sei, und daher auch gar nicht wisse, wovon sie erzählt. Ergüven sagt dazu: "Ich spreche von meinem intimsten Familienleben. Wenn das nicht zu mir gehört, was dann? Und außerdem bin ich der Meinung, das größte Geschenk im Leben besteht darin, mehreren Kulturen anzugehören, die Dinge wirklich aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten."

Der Film und auch die Dokumentation zum Film geben uns die Chance genau diese Vielfalt zu sehen. Ich empfehle auf jeden Fall zuerst den Film "Mustang" und dann die Dokumentation "Es war einmal…Mustang", weil die Doku viele Höhepunkte der Geschichte vorwegnimmt. In genau der Reihenfolge laufen die Filme heute auf arte und sind natürlich dann auch in der Mediathek zu finden.

Stand: 18.05.2018, 06:00