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Machtverschiebungen

Screenshot aus "Baby"

Sehenswertes aus Netz und TV

Machtverschiebungen

Von Emily Thomey

 Kurzfilm mit dem "Get Out" Star Daniel Kaluuya entdeckt wurde | Kurzfilmprogramm vom South by Southwest Festival online | Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV.

Vom Kurzfilm zum Oscar

Einige Stars werden auf der Straße entdeckt andere in Kurzfilmen. Daniel Kaluuya ist so ein Star. Ihn kennen wir spätestens seit seiner Oscarnominierung für den Horror-Blockbuster "Get Out". Von der "Get Out"-Macherin entdeckt wurde er durch den Kurzfilm "Baby". Jetzt ist dieser Kurzfilm "Baby" online zu sehen. "Baby" beginnt mit einem Moment, den der britische Regisseur Daniel Mulloy selbst erlebt hat aber nur der Ausgangspunkt für seine Geschichte ist. Mulloy lässt sich gerne aus seinem Alltag inspirieren - in diesem Fall hat er einen Taschendieb versucht aufzuhalten, genauso wie seine Hauptfigur Sara in „Baby“. Aber der Taschendieb ist Teil einer Bande und zückt dann auch noch ein Messer, was ein verdammt gutes Argument ist, das gestohlene Handy einfach zu vergessen - für beide: den Regissuer Mulloy und auch für seine Hauptfigur Sara. Sara wird dann allerdings von einem der Taschendiebe - gespielt von Daniel Kaluuya - auf ihrem Weg nach Hause verfolgt.

Gruselige Vorstellung von einem Unbekannten verfolgt zu werden, dessen Freunde mit Messern hantieren. Sara wird den Unbekannte aber nicht wieder los. Ganz im Gegenteil: Auf der Busfahrt entwickelt sich zwischen den beiden innerhalb weniger Minuten zunehmend mehr Sympathie. Der schön poetischer Moment, in dem das Eis bricht, ist, als der Fremde Sara ein kleines Bötchen hinhält, gebastelt aus einem Kaugummipapier. Sara muss lächeln und die Stimmung zwischen den beiden ist weg von Angst und Abwehr hin zu Zuneigung gekippt. Wie zwei Teenager greifen sie danach nebeneinander laufend zögerlich nach der Hand des anderen. Ist das nicht ein bisschen leichtsinnig? Genau um diese Verschiebungen geht es Mulloy in seinem Kurzfilm.

Wie können intensive Beziehungen entstehen - auch in ganz kurzer Zeit, fragt er sich. Ohne zu viel verraten zu wollen, dauert die Beziehung der beiden nur so lange wie der Kurzfilm selbst - also 25 Minuten. Und darüber hinaus geht es Mulloy in "Baby" um Macht. Wer von den beiden ist mächtiger und wie kann sich das auch ganz schnell drehen? In der Taschendiebstahl-Szene sind es ganz klar der Fremde und seine Freunde mit den Messern. Aber am Ende des Kurzfilms ist es Sara, obwohl sie eigentlich selbst in einer tragischen Situation ist: Sie ist HIV Positiv.

Screenshot aus "Brian and Charles"

Kurzfilmprogramm vom South by Southwest Festival online

Das South by Southwest Festival in Austin, Texas läuft gerade und war eigentlich mal ein alternatives Musikfestival. Auch heute noch pilgern Bands nach Texas, um dort zu spielen. Berühmt ist das Festival inzwischen vor allem für die neuen Trends der Digitalisierung, die Start-Up Gründer, Designer und Entwickler*innen präsentieren. Und das Festival hat jedes Jahr ein Filmprogramm, dass - dem Internet sei Dank - zum Teil auch für uns von der Couch aus zu sehen ist. Anders als bei den Oscars sind die Filme im Kurzfilmprogramm vor allem von Frauen gemacht und sehr politisch.

Ich empfehle vor allem zwei Kurzfilme, die sich jeweils um ganz grundsätzliche Fragen, die unsere Gesellschaften bewegen, drehen: Künstliche Intelligenz und Rassismus.

"Brian and Charles"

Da wäre einmal die Mockumentary "Brian and Charles", die sich lustig macht darüber, dass wir versuchen mit Technik alles zu befriedigen - auch zwischenmenschliche Bedürfnisse. Brian lebt nur mit seinen Schafen auf einer Farm im Nirgendwo von Groß-Britannien. In einem der dunkelsten Winter entscheidet sich Brian dazu, einen Roboter zu bauen. Der sieht nicht nur besonders hässlich aus, er ist auch nicht gerade smart - aber Brian ist weitgehend glücklich mit seinem Roboter. Die Twists in der Geschichte laufen dann ganz anders als erwartet und wirken auf der Digitalkonferenz SXSW schön ironisch platziert.

"Moonlight"

Der zweite Filmtipp vom SXSW Festival ist eigentlich ein Musikvideo von Jay-Z zu seinem Song "Moonlight". Auf den ersten Blick ist der Clip aber alles andere als ein Musikvideo. "Moonlight" ist vielmehr eine Parodie auf die US-Sitcom "Friends". Die Original-Serie über eine Gruppe von fünf Freunden wurde in den 90er Jahren zu einem weltweiten Erfolg und hat die Schauspieler zu Stars gemacht. Jay-Z geht nun hin, schnappt sich einen Ausschnitt aus einer Folge und besetzt die Rollen mit herausragenden afroamerikanischen Schauspielern.

Das alleine ist ja schon ein Highlight. Jay-Z kommentiert diesen Weiterdreh der Serie aber auch – oder vielmehr lässt sie kommentieren. Damit die Parodie auch wirklich klar wird, baut Jay-Z eine Drehpause ein, in der sich einer der Schauspieler mit einem Kumpel über die Show unterhält. Eine Sitcom wie "Friends" mit schwarzen Schauspielern zu besetzen, so der Kumpel, sei alles andere als subversiv, schließlich sei "Friends" eine gute Comedy aber kein bisschen Lebensrealität der schwarzen Community. Jay-Z’s Song "Moonlight" natürlich schon, genauso wie der unglaublich gute Film "Moonlight", auf den der Song sich bezieht.

Stand: 16.03.2018, 10:00