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Analoge Liebeskuppler

Do you believe in Love?, Screenshot aus dem Trailer, Tova zeichnet ihr Testament auf.

Sehenswertes aus Netz und TV

Analoge Liebeskuppler

Von Emily Thomey

Erfolgreichste Heiratsvermittlerin Israels setzt auf analoge Verkupplung | Fake News sind für manche reale Erinnerung | Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV.

Analoger Liebeszauber

Wer heute seine nächste große Liebe sucht wischt und klickt sich durch Tinder und Co und verlässt sich darauf, das der Algorithmus-Zauber die richtige Auswahl trifft. Es gibt aber noch ganz old school funktionierende analoge Liebesvermittler. Sie treffen die Suchenden in real life und verkuppeln, wenn sie glauben zwei gefunden zu haben, die zueinander passen könnten.

Die Liebeskupplerin Israels namens Tova hat für digitale Zeiten einen ungewöhnlichen Beruf. Warum Menschen lieber zu ihr als zu Tinder gehen ist gar nicht so offensichtlich. Sie sagt in der Doku "Do you believe in love?" ziemlich deutlich, dass sie selbst nicht an die Liebe glaubt und in den Gesprächen mit ihren Kunden hat sie sehr nüchterne Ratschläge. Der blinden Talia sagt sie zum Beispiel, sie solle es nicht wagen, sich mit nicht behinderten Menschen einzulassen. Die Gesunden, so Tova, seien alles Lügner, die nur Sex wollten aber die blinde Talia sicher nicht heiraten würden.

Anderen gibt sie mit auf den Weg, dass es ganz wichtig sei, in Partnerschaften Kompromisse machen zu können. Letztlich bleibt der Eindruck, dass Tova’s direkte und eher unromantische Art genau das ist, was sie als Kupplerin so glaubhaft macht. 

Keine reine Kopfsache

Tova leidet an ALS - das ist diese Krankheit der Nervenzellen, bei der die Muskeln im Körper immer weniger bis gar nicht mehr bewegt werden können und die durch die Ice Bucket Challenge vor ein paar Jahren weltweit bekannt wurde. Tova kann noch sprechen, ist aber sonst komplett gelähmt und wird von ihren Kunden entweder besucht oder angerufen. In einem sorgfältig geführten Notizbuch notiert Tova’s Tochter alle Suchenden und Tova hat das goldene Händchen bei der Auswahl. Wer sieben Matches schafft, so Tova, kommt in den Himmel und da sie schon über 550 glückliche Paare verkuppelt habe, sei ihr der Platz wohl sicher. Was ihr Rezept bei der Auswahl der Glücklichen ist, verrät sie allerdings nicht.

Die Altersspanne ihrer Kunden reicht von gerade mal 17 Jahren bis weit über 60 und die meisten haben irgendeine Art der Behinderung. Das sind die schönsten Momente, sagt Tova, wenn es ihr gelingt, zwei behinderte Menschen zu verbinden. Sie selbst ist seit über 40 Jahren glücklich verheiratet, was auch dafür spricht, dass ihre nüchterne Art auf Partnerschaft zu blicken das eigentliche Geheimrezept ihres Erfolges ist. Für die liebevoll gemachte Doku haben die Macher diese unerschütterliche Frau über ein Jahr begleitet und der Film macht große Lust Tinder zu deinstallieren und die analoge Verkupplungsmagie von Tova selbst zu testen.

Twisted - Leinwand im Abendrot

Wahrheit oder Lüge

"Fake News" war mit einer der meist genutzten Begriffe im letzten Jahr - gefühlt - und der Ausdruck steht auch seit 2017 im Duden. Jetzt ist gerade eine Doku im Netz erschienen, die einen ganz neuen Blick auf das Phänomen wirft: Was wäre, wenn diejenigen, die die Fake News in die Welt setzen, fest davon überzeugt sind, dass es sich tatsächlich um die Wahrheit und gar nicht um erfundene Geschichten handelt? Dass sie sogar glauben, etwas miterlebt zu haben, was gar nicht stattgefunden hat.

In der Kurzdoku "Twisted" berichten diverse Zeugen von einem Tornado, der in Kanada ein Autokino verwüstet hat. Den Tornado hat es auch wirklich gegeben: Vor knapp 20 Jahren hat er in der Nähe der Stadt Niagara Falls in Kanada einiges mit sich gerissen, unter anderem Teile der riesigen Leinwand. Nicht nur soll der Tornado das Autokino mit sich gerissen haben, sondern auch noch gerade an dem Abend, als der Blockbuster "Twister" mit Helen Hunt gezeigt wird - ein Katastrophenfilm über Tornados. Und - um noch einen drauf zu setzen - sogar noch in dem Moment als in dem Film "Twister" ein Tornado ein Autokino verwüstet. Spätestens an dem Punkt, muss doch klar sein, dass das ein paar Zufälle zu viel sind!? Tatsächlich sind genug Zeugen fest davon überzeugt, dass es sich genauso zugetragen hat. Egal wie viele Zeugen an ihrer Version festhalten, der Autokinomitarbeiter belegt: "Twister" stand zwar auf dem Programm an dem Abend aber der Strom ist schon ausgefallen bevor die Vorstellung anfangen konnte.

Der Tornado war real und hat auch die Kinoleinwand mitgenommen aber der Film "Twister" hat an dem Abend keine Rolle gespielt. Regisseur Jay Cheel führt in "Twisted" auf locker leichte Art vor Augen wie sehr uns unsere eigenen Erinnerungen einen Streich spielen können und vermeintlich Erlebtes zu glaubhaften Erinnerungen werden, wenn wir sie nur oft genug und immer wieder erzählen.

Stand: 09.01.2018, 10:00