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Die deutsche Graffitiszene

"Hello my name is - German Graffiti" Interview mit Stefan Pohl - ARTE Creative, Screenshot aus der Doku

Sehenswertes aus Netz und TV

Die deutsche Graffitiszene

Von Emily Thomey

Die deutsche Graffitiszene ist vielfältig, erfolgreich und das nicht nur auf Wänden und Zügen | Deutsche Waffenexporte nach Mexiko laufen trotz Verboten weiter | Sehenswertes aus Netz und TV.

Nachschlagewerk der deutschen Graffitiszene

Die Dokumentation "Hello my name is German Graffiti" von Stefan Pohl ist der zweite Tipp. Sie nimmt uns mit auf einen Trip durch ganz Deutschland und sogar bis nach Los Angeles und London, wo überall deutsche Graffiti-Künstler aktiv und auch erfolgreich sind. Die Kunst mit Sprühfarbe zu malen, ist längst nicht mehr nur illegal auf Wänden und Zügen zu finden, erzählt Loomit aus München: "In meinem Fall ist das natürlich sehr gut gelaufen, weil ich meinen Lebensunterhalt damit verdienen kann, noch dazu den meiner Familie." Loomit hatunter anderem die riesigen Wände im Rheinpark in Duisburg mit einem großen Team gestaltet. Wir sehen in der Doku aber auch die Maler, die den Zügen treu geblieben sind und wie Taps & Moses beispielsweise durch Buchveröffentlichungen und Ausstellungen ihr Geld mit ihrer Kunst verdienen.

Für Szenekenner ist der Überblick, den Pohl gibt, sehr oberflächlich: Er trifft jede Menge Urgesteine, zeigt wie und wo sie malen, was ihre Styles sind. Über diese kurzen Porträtserien hinaus wird immer wieder die Frage gestellt, ob Graffiti nun Kunst sei oder nicht - eine der ältesten Fragen, wenn es um Graffiti geht, die natürlich auch hier nicht beantwortet wird. "Hello my name is German Graffiti" ist aber ein guter Einstieg in die deutsche Szene, weil sie die ganze Bandbreite an Stilen und Persönlichkeiten zeigt wie den sehr präsenten Sprüher Life, der sich in Berlin waghalsig an Hauswänden abseilt, um zu malen oder Eliot, der ganz genreuntypisch mit Stricktechniken auf Leinwand an Graffiti angelehnte Bilder strickt und damit den Kunstmarkt entert.

Waffen trotz Verbote

Die Dokumentation "Wie das G36 nach Mexiko kam" von Daniel Harrich läuft gerade in der ARD-Mediathek und ist nicht umsonst preisgekrönt. Der Titel macht deutlich worum es geht: um deutsche Waffenexportgeschäfte nach Mexiko. Im Zentrum steht das Sturmgewehr G36, das unter anderem bei der Massenentführung der Studenten in Iguala zum Einsatz kam, erzählt José Adolfo de la Cruz, der 2014 dabei war und überlebte: "Die mexikanische Regierung will die Waffen nur haben, um auf die Menschen hier Repressionen auszuüben. Um Studenten und arme Bauern zu töten. Das ist wirklich eine Schande, was die hier machen." Eigentlich sollten deutsche Behörden verhindern, dass Waffen in Krisengebiete verkauft werden.

Aber genau das passiert trotzdem. Um aufzuschlüsseln wie, trifft der Regisseur Daniel Harrich auf ehemalige Mitarbeiter des Waffenherstellers Heckler & Koch, die das G36 Sturmgewehr produzieren. Sie erzählen, mittlerweile auch vor Gericht, wie bis in die Führungsetagen von Heckler & Koch bekannt war, welche Waffen auch in Krisengebiete geschickt wurden. Der Anwalt Holger Rothbauer vertritt einen der ehemaligen Mitarbeiter: "Wer aber genauso viel Schuld hat, sind die Genehmigungsbehörden, ist das Bundeswirtschaftsministerium. Die haben durch Unterlassen von Kontrollpflichten mindestens genauso Schuld wie diejenigen, die das Geschäft auf Teufel komm raus durchführen." Es ist erschreckend zu sehen, dass trotz der scheinbar strengen Vorgaben, Wege gefunden werden, die Waffen zu exportieren und damit Millionengeschäfte gemacht werden.

Know-how

Die Doku ist hochaktuell und fundiert – und das in nur knapp 30 Minuten. Sie trifft die entscheidenden Protagonisten in Deutschland und Mexiko, belegt die Wege, die die Waffen gegangen sind und die Kontrollen, die sie passieren mussten. Außerdem macht sie deutlich, dass nicht nur der Export von Waffen an sich das Problem ist, erzählt der Autor und Friedensaktivist Jürgen Grässlin: "Ich glaube, gemeinhin denkt man, dass der Waffenexport von Gewehren das Schlimmste sind, was passieren kann. Es ist unglaublich schlimm, was da passiert. Die Tatsache ist aber, dass wir Deutschen noch eine viel schlimmere Beihilfe zum Rüstungsexport und dann ja auch dem Massenmorden geben, nämlich dem Technologietransfer." Sprich: Heckler & Koch verkauft in Zukunft nicht mehr die Gewehre selbst, wenn das zu schwierig wird, sondern das Know-How sie zu bauen.

Stand: 10.10.2017, 15:00