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Smart und sexy

Issa Rae

Sehenswertes aus Netz und TV

Smart und sexy

Von Emily Thomey

Das "TRIBUNAL NSU-Komplex auflösen" deckt blinde Flecken auf | Das Leben schreibt die besten Geschichten - und Rapsongs, beweist "Insecure" | Computerspiele können sehr subversiv sein, erzählt "The Art of Gaming".

Sex in Los Angeles

Die Serie "Insecure" handelt von zwei schwarzen Frauen Issa und ihrer Freundin Molly. Molly ist eine erfolgreiche Anwältin und Issa arbeitet für einen Verein, der sich für benachteiligte schwarze Kinder einsetzt. Beide Freundinnen sehen großartig aus und haben ganz normale Probleme in der Liebe und auf der Arbeit, wie jeder andere Mensch auch. Issa beispielsweise ist die Vorzeigeschwarze unter ihren Kollegen, ziemlich angenervt davon und auch für die schwarzen Kids fällt sie offenbar aus dem Rahmen: "Why you talk like a white girl?" wirft ihr ein Kind an den Kopf, nachdem Issa das Programm ihres Arbeitgebers vorgestellt hat. Solche Sprüche decken auf unterhaltsame Art die Stereotypen auf, die mit Schwarzsein verbunden sind. Issa, die immer wieder in seltsame, verunsichernde Situationen kommt weiß oft genug auch nicht, wie sie damit umgehen soll - genauso wie ihr auch nicht so klar ist, wo sie mit ihrem Leben eigentlich hin möchte.

Freundinnen auf der Suche nach dem Glück erinnert ein den ein oder anderen vielleicht an "Sex in the City" und ja, wenn es um das Liebesleben von Issa und Molly geht, gibt es Ähnlichkeiten zwischen den Serien - beispielsweise wird immer noch in viel zu wenigen Serien mit und von Frauen, das Thema Sex offen und humorvoll thematisiert. "Sex in the City" tut das ja schon im Titel - aber bei "Insecure" bekommen wir sogar einen Rap zum Thema serviert. Von solchen Raps gibt es fast jede Folge einen - weil Issa statt Tagebuch zu führen rappt, was natürlich ziemlich cool ist und großen Spaß macht. Und das ist auch die Stärke der Serie: Der Alltag schreibt die besten Geschichten und im Fall von "Insecure" ist es gute Mischung aus gesellschaftlich relevanten Themen, Alltagskomik und Sex Appeal - sehr sehenswert!!

Blinde Flecken

Es gibt Tage, die bleiben vielen von uns für immer in Erinnerung. Der 11. September 2001 beispielsweise. Die meisten von uns wissen, was sie an dem Tag gemacht haben, wo sie waren und mit wem. Und es gibt Tage, die sollten wir erinnern, weil an ihnen Verbrechen begangen wurden, die auch schwer fassbar sind und hoffentlich in Zukunft verhindert werden können. Der 09. Juni 2004 ist so ein Datum. Ich weiß nicht mehr, wo ich war aber ich weiß, ich war nicht in Köln. Sonst wüßte ich das sicher noch, weil an dem Tag das NSU-Trio in der Keupstraße einen Bombenanschlag verübt hat.

Obwohl die Taten des NSU und der Prozess gegen Beate Tschäpe viel medialen Raum einnehmen, sind ganz viele Fragen noch ungeklärt. Jetzt ist ein Projekt gestartet, dass sich "TRIBUNAL NSU-Komplex auflösen" nennt und erstmal eine Reihe von kurzen, sehr gut gemachten Videos ins Netz gestellt hat, die uns konfrontieren mit den blinden Flecken rund um den NSU-Komplex, wie beispielsweise die Frage: Können Sie sich einen Neonazi auf einem Fahrrad vorstellen? Auf diese Frage antworten sämtliche Passanten mit: Nein. Garantiert nicht. Warum nicht? Weil Radfahren etwas friedliches hat und zeigt, dass man umweltbewußt ist. Tatsächlich haben Zeugen an mehreren NSU-Tatorten zwei weiße Radfahrer gesehen - trotzdem haben die Ermittler Nazis als Täter ausgeschlossen. Ein Kriminaloberrat hat dem NSU-Untersuchungsausschuss sogar gesagt: Er habe noch nie einen Neonazi auf einem Fahrrad gesehen. Abgesehen von diesen gut gemachten Clips wird vom 17.-21. März das Tribunal in Köln Mülheim stattfinden.

Subversive Computerspiele

Der Digitalkanal arte creative hat eine Doku-Serie über Computerspiele online gestellt, die sich echt lohnt. "The Art of Gaming" heisst die und nimmt in vier Folgen auseinander, beispielsweise wie kreativ wir als Spieler von Computerspielen sein können oder wie realistisch Spiele mittlerweile sind und was das mit künstlerischen Strömungen der Kunstgeschichte zu tun hat. Es geht außerdem darum wie Horrorspiele funktionieren und wann die sogar unsere soziale Ader anregen können. Ganz besonders spannend, finde ich die Folge über Ideologie in Computerspielen.

Die Gamerin Trinity spielt wie in den anderen Folgen auch diverse Spiele, während wir zu gucken und unterhält sich dabei mit dem Politologen Olivier Mauco. Ganz viele Spiele arbeiten mit Stereotypen und uns bekannten Erzählmustern. Aber sie sind auch subversiv und können uns viel über unsere Realität erzählen, wie der Blockbuster Grand Auto Theft IV beispielsweise, die Krise in den USA vorweg nimmt, Olivier Mauco. Obwohl das Spiel mehrere Jahre vor der Wahl von Trump erschienen ist, warnt das Spiel quasi vor dem Bruch zwischen der urbanen, technologisierten Welt und dem ländlichen vernachlässigten Gebieten der USA. Also auch für Nicht-Gamer eine interessante Doku-Serie.

Stand: 07.03.2017, 09:00