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"EMA" – Heißes Drama um Elternschaft

EMA

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"EMA" – Heißes Drama um Elternschaft

Von Nele Posthausen

Wenn schon nicht das Kino, dann muss für diesen Netz-Tipp eine Leinwand, ein großer Bildschirm oder zumindest ein starkes Audio-System her: "EMA – Sie spielt mit dem Feuer" kommt mit starken Bildern und Soundtrack von Nicolas Jaar.

Zu flirrenden Klängen des chilenisch-US-amerikanischen DJs und Produzenten Nicolas Jaar bewegt sich Ema (Mariana Di Girolamo) durch einen Film in abgedunkelten Primärfarben: Mal sind die Räume komplett blau, mal grün, mal rot. Immer wirkt es, als wären die Protagonist*innen gerade in einen anderen Bereich eines Clubs oder einer Disco eingetreten, würden sich dabei durch dichten Nebel unterhalten. Ema erinnert an eine Mischung aus Rapper Mavi Phoenix und Hollywood-Star Tilda Swinton. Die schmale Person ist Tänzerin, Sportlehrerin, androgyn, wasserstoffblondiert.

"Mütter dürfen sich nie von ihren Kindern trennen!"

Ema scheint spielerisch zwischen Heterosexualität, Homosexualität, Pansexualität, der Liebe zu Menschen und Manipulation dieser Menschen zu wechseln. Ebenso ambivalent will sie zwar irgendwie Mutter sein und diese Rolle auf ihre Art erfüllen, kann sich aber nicht an Vorstellungen wie die ihrer eigenen Mutter anpassen: "Kinder machen eine Familie aus", erklärt die Mutter ihr bei einer Busfahrt und wirft dann den tonnenschweren Satz in den wackelnden Bus: "Mütter dürfen sich nie von ihren Kindern trennen. So war das schon immer und das sollte man nicht ändern."

Ema und Gaston haben ihren Sohn verloren

Ema hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits von ihrem Kind getrennt: Mit ihrem Adoptivsohn Polo sind sie und ihr Mann Gaston (Gael García Bernal) nicht ganz zurechtgekommen. Sie haben ihn an das Jugendamt verloren. Ob bewusst oder unbewusst, das wird im Film nie ganz klar. Gegenseitig weisen die beiden sich die Schuld zu und wollen den Jungen zurück.

Tanz und Orgasmen in Valparaíso

Das Drama "EMA" lebt vom Pulsieren der chilenischen Hafenstadt Valparaíso, von einer Hass-Liebe zu Reggaeton und Tanz-Szenen, die immer beeindruckender und niemals kitschig werden. Während woanders entweder die Handlung oder der Tanz dominieren, scheinen in "EMA" beide Erzählformen miteinander in Dialog zu treten. Die Lust, Ekstase und Fantasie steigern sich. Kurz vor Schluss tauchen wir ein in eine blaugefärbte Orgasmus-Collage, in der kaum noch klar ist, wer hier gerade wen kommen lässt. Und so verbleiben wir Zuschauende ein wenig atemlos mit einem Eindruck positiver Verwirrung rund um die großen Fragen: Was ist Liebe und wer darf Familie sein?

"EMA – Sie spielt mit dem Feuer" könnt ihr über Amazon Prime streamen.

Stand: 23.07.2021, 06:00