"FilmFrauen" - Deutsche Schauspielerinnen im Spotlight

FilmFrauen mit Sibel Kekilli

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"FilmFrauen" - Deutsche Schauspielerinnen im Spotlight

Von Emily Thomey

Nora Tschirner, Désiree Nosbusch, Palina Rojinski - das sind große Namen in der deutschen Film- und Fernsehbranche. Im Verhältnis zu ihren männlichen Kollegen sind sie als Frauen aber immer noch weniger häufig auf dem Bildschirm zu sehen. Deshalb gibt es die Webserie "FilmFrauen". Jetzt werden zwei neue Folgen mit Heike Makatsch und Sibel Kekilli veröffentlicht.

Kekilli erzählt beispielsweise, dass sie wegen ihrer Rolle in dem Fatih Akin Film "Gegen die Wand" für das Casting von "Game Of Thrones" angerufen wurde. Sie erzählt lebhaft vom Casting, das in London stattgefunden hat. In einem Raum voll mit Menschen musste sie mit dem Casting Direktor eine Szene nachspielen: "Ich bin da raus, hab ich meine Agentin angerufen und gesagt: 'Ist ja schön, dass HBO mich gesehen hat, aber die Rolle krieg ich nicht'. Dann haben sie mir aber zwei, drei Tage später die Rolle angeboten und ich hab gesagt: 'Nee, mach ich nicht.' Ich weiß nicht warum, ich hab Panik bekommen." Aber die Macher*innen von "Game Of Thrones" haben nicht locker gelassen: "Ich bin froh, dass die Showrunner mir einen Brief geschrieben haben. 'Bitte, bitte, bitte, Sibel, wir fanden dich so toll als Shae, wir können uns niemanden anderen vorstellen.'" Dann erst hat Sibel Kekilli zugesagt.

Das ist natürlich purer Luxus, so gebeten zu werden, den nicht viele erleben. Ein Lösungsvorschlag für mehr Frauen im Filmbusiness ist die Quote. Kekilli war erst dagegen, hat dann aber realisiert, dass es für Frauen eben unverhältnismäßig wenige Rollen gibt und viele davon dann auch noch wenig komplex sind. "Wie soll man sich beweisen, wenn man keine Chance bekommt?", fragt sie.

FilmFrauen mit Sibel Kekilli

Aber richtig wütend wird sie im Interview, als es darum geht, dass gerade ältere Frauen mit Zuwanderungsgeschichte quasi nie gesehen werden: "Haben wir in der Fernseh- oder Filmbranche Schauspielerinnen über 50 mit Migrationshintergrund? Ist das nicht traurig. Weil sie alle verschwinden. Das macht mich echt wütend." Kekilli engagiert sich aber auch über ihre Schauspielkarriere hinaus für Frauen und hat dafür auch schon das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Aber auch die anderen Folgen der Webserie "FilmFrauen" lohnen die sich. Alle Schauspielerinnen zeigen sehr persönliche Seiten von sich, erzählen von Schwierigkeiten in einem männerdominierten Job, wie sie immer wieder aufstehen müssen, wie sie auch schon ganz grundsätzlich gezweifelt haben und fast aufgegeben hätten. Außerdem ist die Webserie schön gedreht und kurzweilig mit gerade mal zehn bis 15 Minuten pro Schauspielerin.

Stand: 11.09.2020, 08:00