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"Fett und Fett": DIY-Comedy über das Leben um die 30

Stand: 15.07.2022, 09:00 Uhr

"Fett und Fett" hat mit einfachem, aber lässigem Konzept richtig viel Lob bei der Kritik eingefahren. Ob die zweite Staffel das Niveau hält, klärt Serienpodcasterin Emily Thomey.

Von Emily Thomey

Manchmal sind ja die besten Ideen die, die man einfach umsetzt. Das haben sich auch zwei Münchener Serienmachende gedacht, sind mit Handkamera und kleinem Team durch München gelaufen und haben einfach losgedreht. Das Ergebnis hat dem ZDF dann so gut gefallen, dass sie das Team direkt für sechs neue Folgen engagiert hat. Die erste Staffel der Serie "Fett und Fett" hat dann viel Lob von der Kritik bekommen, eine Grimmepreisnominierung und eine zweite Staffel, jetzt online zu sehen.

Wieder geht es um den dreißigjährigen Jaksch, der nicht so richtig weiß, wohin in seinem Leben. Aber vielleicht doch ein kurzes Was-Bisher-Geschah, bevor wir zur neuen Staffel kommen: Die lustigste Folge der ersten Staffel war der Ausflug in den Berliner Kiez Neukölln, wo Jaksch Hanna besucht hat. Jaksch hat überhaupt gar keinen Plan für sein Leben, ist auf der Suche nach der Liebe und irgendeinem Sinn und dabei stammelt und stolpert er von der Hipster-Start-Up-Gründungs-Party ins Gangster-Rap-Musikstudio - alles immer eher zufällig.

Jaksch erlebt die absurdesten Situationen, trifft abgefahrene Leute wie einen Aussteiger, der aber mehr wie von einer Goth-Party ausgespuckt gekleidet ist in schwarzen Lederklamotten und am liebsten in einem ehemaligen Hitlerbunker leben würde - völlig abfahren. Am Ende der ersten Staffel geht es Jaksch trotz der aufregenden Ausflüge gar nicht gut: Er ist traurig und hat Liebeskummer.

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Die zweite Staffel macht dann einen kleinen Sprung: Jaksch hat eine Freundin, die allerdings verheiratet ist und in einer polyamorösen Beziehung mit ihm leben will. Er ist aber immer noch genauso vercheckt, planlos und liebenswert wie in Staffel eins. Und auch sein neuer Job als Regieassistenz am Theater ist nicht so erfüllend, wie er sich das wünscht. Seinem Buddy Bulli geht es ähnlich. Und letztlich stehen die beiden auch für ihre Generation: Wer kann schon behaupten, bei all den Möglichkeiten und der komplexen wie überfordernden Gegenwart wirklich zu wissen, was man will, geschweige denn was als Nächstes passiert?! Das macht die Serie aber so gut.

Dabei würde ich noch nicht mal sagen, dass es um die ganz große Welterklärung geht: "Fett und Fett" ist in erster Linie unterhaltsam und erstaunlich lässig, obwohl Jaksch so stofflig, haltlos daherkommt. Sie ist minimalistisch und ehrlich: Wenige Charaktere, relativ überschaubare Handlung, die sich vor allem um Liebesthemen und jugendliches Feiern dreht, aber darin immer wieder so überraschend verläuft und tiefgründig ist, dass du auf jeden Fall mehr sehen willst. Die Dialoge und Figuren sind einfach gut und echt, genauso wie die Abbildung der Städte - ich hab richtig den Eindruck München ein bisschen kennengelernt zu haben und ordentlich über die Berlin Klischees gelacht. "Fett und Fett" ist auch in der zweiten Staffel wieder so sehr sehenswert.

Mehr Seriengespräche hört ihr im COSMO Serienpodcast Glotz und Gloria.