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Brav demonstrieren war gestern - Die Klimaprotestler von Extinction Rebellion

"Re: Extinction Rebellion. Notwendiger Klimaprotest oder Ökoterrorismus?" - Screenshot aus dem video. protestler lassen in Paris Kunstblut Treppen runterlaufen

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Brav demonstrieren war gestern - Die Klimaprotestler von Extinction Rebellion

Von Emily Thomey

Sie gießen Kunstblut auf die Straße, stellen sich an den Galgen oder kleben ihre Hände an öffentlichen Orten fest: Die Umweltschützer von Extinction Rebellion greifen zu drastischen Maßnahmen, um die Aufmerksamkeit von Medien und Politik zu bekommen. Mit Erfolg. Ihre Blockaden werden wahrgenommen und sorgen für Schlagzeilen.

Es gibt aber auch Stimmen, die die radikalen Umweltschützer Ökoterroristennennen. Sie würden zu weit gehen, auch Rechtsradikalen Raum bieten, antisemitisch oder antidemokratisch sein. Jetzt gibt es eine arte-Reportage über die Bewegung und ihre Kritiker*innen. Ein zentraler Kritikpunkt sind die radikalen Protestmethoden. Tatsächlich ist das nicht so leicht festzumachen, ob es eine Grenze, die Extinction Rebellion nicht überschreiten würde.

Einerseits gibt es eine ganz klar formulierte Liste an Prinzipien und Werten. Dazu gehört auch, dass das Netzwerk sich als "gewaltfrei" begreift. Aber andererseits wurde Gewalt gegen Sachen wurde immer wieder angewendet, wie von einer der Mitbegründerinnen der Bewegung: Gail Bradbrook. Im Kampf gegen Pläne des englischen Verkehrsministeriums hat sie schon ein Fenster eingeschlagen: "Manche Leute betrachten es schon als Gewalt, wenn man ein Fenster einschlägt. Ich nicht. Niemand wurde dabei gefährdet."

Bruch innerhalb der Protestbewegung

Was erlaubt ist und was nicht, wird natürlich auch innerhalb der Bewegung diskutiert. Besonders in die Kritik geraten ist der Mitbegründer Roger Hallam, weil er den Holocaust "nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte" nannte. Gegen Hallam läuft bei Extinction Rebellion ein internes Verfahren, in dem entschieden werden soll, ob er noch Teil der Bewegung bleiben kann.

Ein anderes Prinzipien lautet, dass alle willkommen seien und aktiv an einem geschützten und zugänglichem Umfeld gearbeitet würde. Trotzdem ist die Bewegung vor allem weiß*und natürlich ist nicht jede oder jeder in der Lage, sich festnehmen zu lassen - was bei den Protesten oft das Ziel ist -, ohne dass das größere Probleme im Job oder auch persönlich mit sich bringt.  

Wie stellt man Protest auf die Beine?

Für einen gesellschaftlichen Wandel braucht es aber auch nur 3,5 Prozent der Bevölkerung, sagt die Protestlerin Marianne: "Du musst, um erfolgreich zu sein mit gewaltfreiem, zivilen Ungehorsam, musst du nicht alle erreichen. Es müssen sich nicht alle in Blockaden setzen, 80 Millionen in Deutschland. Nein." Erfolg hat die Bewegung trotz aller Kritik Die Aktivist*innen haben es geschafft, dass auch hochrangig Politiker*innen wie Carolina Schmidt, die amtierende Umweltministerin von Chile, sich mit ihnen treffen. Für die nächste Klimakonferenz in Glasgow im November 2020 konzentriert sich Extinction Rebellion deswegen auch vor allem auf ihre diplomatischen Bemühungen.

Stand: 21.01.2020, 06:00