"Everybody’s talking about Jamie" - Musicalverfilmung

"Everybody’s talking about Jamie" - Porträt der Hauptperson Jamie

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Everybody’s talking about Jamie" - Musicalverfilmung

Von Emily Thomey

Musicals sind wie Koriander - entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Oft genug sind sie voller Klischees. Nicht so "Everybody’s talking about Jamie".

Um das Musical live zu sehen, müssten wir nach London gehen. Aber diese Woche feiert der Film zum erfolgreichen Musical Deutschlandpremiere. Er beruht auf der wahren Geschichte eines Teenagers namens Jamie Campbell, der schon als Teenager Drag Queen wurde. Wir sollten uns die Geschichte von Jamie ansehen, findet Streaming-Expertin Emily Thomey - aus vielen Gründen.

Coming-of-Age-Story

In der eher langweiligen Stadt Sheffield kann sich Jamie nichts anderes vorstellen als Drag Queen zu werden. Als seine Mutter ihm zum 16. Geburtstag richtig geniale rote Glitzer-Pumps schenkt, fasst Jamie den Entschluss, zum Abschlussball seiner Schule als Drag Queen zu gehen. Er ist eher ein Außenseiter, hat natürlich Angst, was die anderen sagen, aber auch eine richtig gute Freundin, die ihn unterstützt. Wenn das so reibungslos ablaufen könnte, wäre die Geschichte vermutlich in zehn Minuten erzählt - der Film ist natürlich länger.

Dein Name, dein Label

In Quere kommen Jamie natürlich die obligatorischen gemeinen Mitschüler - aber auch richtig fiese Lehrerinnen, die ihm sogar verbieten wollen, im vollen Drag Outfit mit Kleid, Perücke, Make-Up zur Feier zu gehen. Einen Mentor findet Jamie dann in Loco Chanelle, einer etwas älteren Drag Queen, die Jamie die erste wichtige Aufgabe stellt: Einen besserer Drag Namen als Sandra Banana. "You have to do better than Sandra Banana. Your name is your brand. Take it seriously. You need to create a persona." Dein Name ist dein Label, du musst es ernst nehmen, sagt Loco Chanelle und natürlich findet Jamie noch einen Namen, der seiner Drag Persona würdig ist - viel besser als Sandra Banana.

Kampf gegen Diskriminierung

Was an Musicals oft schwierig ist, ist dass sie neben Klischees sehr pathetisch sein können. "Everybody’s talking about Jamie" ist pathetisch aber das ist egal: Die Geschichte von Jamie ist als Feel Good Movie von Anfang an klar - und sie schafft es trotzdem auch den Kampf den Drag Queens zu zeigen, der gegen Diskriminierung zu kämpfen war und vermutlich immer noch ist. Die Musicaleinlagen sind stylisch inszeniert - mit Glamour, Glitzer oder auch mal als Madonna-Vogue-Hommage in Schwarz-Weiß. Wer danach nicht auch Bock hat, sich in Schale zu werfen und los zu tanzen, den habe ich hiermit gewarnt: Jamie ist eine wunderbare Hommage an Drag Queen Kultur - love it or leave it!

Stand: 15.09.2021, 11:00