Live hören
Jetzt läuft: Kate Winslet von NSG feat. Unknown T

"Eine einsame Stadt" - Berlins einsame Seite

Film: "Eine einsame  Stadt" - Künstler berichtet über seine Einsamkeit

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

"Eine einsame Stadt" - Berlins einsame Seite

Von Emily Thomey

Ein Film über Menschen, die in Berlin leben und sich aus verschiedenen Gründen in dieser anonymen Großstadt einsam fühlen.

Eines der wichtigsten internationalen Dokumentarfilmfestival findet gerade in Leipzig statt. Die Filme feiern online Premieren und sind entsprechend von überall streambar. Die Dokumentation "Eine einsame Stadt" handelt von unterschiedlichen Menschen. Junge und Alte, mit Kindern und ohne Kinder, mit oder ohne Partner*in, im Verein, in der Kneipe, im Arbeitsleben. So unterschiedlich sie auch sind, haben sie doch eins gemeinsam: Sie fühlen sich einsam.

Schneller einsam in der Großstadt

In Berlin - und das gilt auch für andere Großstädte wie New York, Paris oder Moskau - kann man sich viel schneller einsam fühlen, als in einer kleineren Stadt. Wenn du in einem Berliner Club jemanden neu triffst, kann es sein, dass ihr euch nie wieder seht - einfach weil die Stadt so riesig ist. Einsamkeit entsteht genau da, wo du dich nicht selbst dafür entscheidest.
Thomas, ein Künstler, der in der Doku auftaucht, erzählt wie einsam er sich nach seiner Scheidung gefühlt hat. Wenn er aber in seinem Atelier arbeitet, also selbst entschieden alleine ist, dann fühlt er sich nicht einsam: "Und selbst wenn ich zuhause bleibe und in der Badewanne liege, ne Flasche Bier trinke und Fernsehen gucke, weiß ich, dass in einem Umkreis von einem Kilometer so viel gleichzeitig passiert. Mir reicht der Gedanke, dass es das alles um mich herum gibt." Das sind dann die Momente, in denen Thomas sich nicht einsam fühlt, sondern gerne alleine ist.

Film: "Eine einsame  Stadt" - Künstler berichtet über seine Einsamkeit

Ist Einsamkeit selbstgewählt?

Das Entscheidende ist also: Bist du selbstgewählt alleine, oder sehnst du dich nach Kontakt? Es kommen auch Menschen in der Dokumentation vor, die sind verheiratet, haben Kinder - wie das zusammen passt? Gesa ist eine junge, alleinerziehende Mutter, die es total unangenehm und stigmatisierend findet immer und überall - ob in der Kita oder auf dem Amt - ständig nach dem Vater gefragt zu werden.
Oder Wieslawa, die mit ihrem Mann zusammenwohnt, ihren Job als Yogalehrerin gerne macht, aber trotzdem einsam ist, weil ihr Mann schwer krank ist: "Da ist ein Mensch, der meine Hilfe braucht und das mache ich gerne, aber ich kann von dem Menschen nichts mehr erwarten. Man will den Mensch  einerseits nicht verlieren, aber andererseits man weiß, den hat man schon verloren."

 Wege aus der Einsamkeit

Letztlich entscheidet sie sich Berlin zu verlassen, obwohl sie hier die letzten 30 Jahre gerne gelebt hat und viele Freunde hatte. Die Dokumentation zeigt also auch, wie die Menschen wieder aus der Einsamkeit herauskommen und bekommt dadurch ein bisschen Leichtigkeit. Es gibt aber auch Protagonisten wie den über 80jährigen Fotografen Efraim, der zwar immer schick gekleidet ist, weil er ja vielleicht doch jemanden zum Heiraten finden könnte, aber auch als Einzelgänger gut klar kommt.
Spannend zu sehen ist, dass Einsamkeit so viele Facetten hat und auch da auftauchen kann, wo man sie erstmal nicht vermuten würde. Und es auch immer neue Möglichkeiten gibt, oder wie Thomas sagt: "Mit 50 ist der Puderzucker abgeküsst aber so langsam lernt man wieder so ein bisschen dazu und gewöhnt sich daran. Und es gibt für alles einen Markt auch für kaputte Autos natürlich."