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"Dopesick"- Serie über die Opioid-Krise in den USA

Szene aus "Dopesick" - Richard Sackler (Michael Stuhlbarg) bei einer Vorstandssitzung

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"Dopesick"- Serie über die Opioid-Krise in den USA

Von Emily Thomey

Angelehnt an das gleichnamige Buch rollt die US-Serie den wohl krassesten Fall von Schmerzmittelbetrug und Täuschung der Pharmaindustrie auf.

Oxy habt ihr vielleicht schon mal gehört. Das ist eine gängige Abkürzung für Opioide, welche als Schmerzmittel in den USA verheerende gesundheitliche Folgen haben. Mehr als eine halbe Million Menschen sind sogar daran gestorben. Heute erscheint eine Serie, die sich an ein erfolgreiches Buch dazu anlehnt und auch so heißt wie dieses Buch "Dopesick", übersetzt: ‚drogenkrank‘. Die Serie rollt den Fall eines bestimmten Opioids auf und beginnt in den 80er-Jahren und reicht bis in die 2000er-Jahre, weil es eine Weile gedauert hat, bis klar wurde, dass das Schmerzmittel namens OxyContin nicht so toll und revolutionär ist, wie von der Familie Sackler und ihrer Firma Purdue Pharma angepriesen. Purdue Pharma hat mit aggressiven Marketing- und Vertriebsstrategie erzählt, dass von OxyContin angeblich nur 1 % aller Patienten abhängig werden und das Schmerzmittel mehr als 12 Stunden wirkt - was beides schlicht nicht stimmte.

Um trotzdem weiter und noch mehr OxyContin zu verkaufen, haben sie beispielsweise eine eigene Krankheit definiert, die eine doppelte Dosis erforderte. Um doch die Nacht durchzuschlafen, sollen die Verkäufer und Verkäuferinnen des Mittels erzählen, dass die Patienten "Durchbruchschmerz" erleiden würden - ein eigens von Purdue Pharma entwickelter Begriff, der am Ende einfach nur beschrieb, dass die Patienten vom Schmerzmittel abhängig geworden waren und deswegen mehr brauchten, damit es noch wirkt.

Die Ärzte haben Purdue lange geglaubt und die Behörden nichts unternommen. Wie es dazu kam, zeigt die Serie Schritt für Schritt mit einem ständigen Wechsel zwischen einem Arzt, der der Strategie von Purdue Pharma aufsitzt, den Patienten, die abhängig werden, und den Ermittlern, die den Fall bearbeiten. Selbst die FDA - also die Behörde zuständig für die Gesundheit der US-Bürger und Bürgerinnen - war in die Strategie von Purdue Pharma verstrickt. Sie hatten dem Medikament ein Label verpasst, dass die geringe Abhängigkeit offiziell machte. Ziemlich komplexes Thema, was sich super als Stoff für eine Serie eignet. Die Besetzung ist umwerfend - allen voran mit Michael Keaton und Kaitlyn Dever. Die Mischung aus Charakteren aus dem echten Leben und erfundenen Figuren funktioniert gut. Vom 11.-28. November ist die Serie im Watchroom des Seriencamps kostenlos zu sehen. Disney+ Star zeigt die Serie seit dem 12. November.

Stand: 12.11.2021, 06:00