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Dokumentation über die ermordete LGBT Aktivistin Marielle Franco

Übergroßes Plakat von Marielle Franco auf einer Wand in Sao Paulo

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Dokumentation über die ermordete LGBT Aktivistin Marielle Franco

Von Emily Thomey

Marielle Franco war eine wichtige Stimme der LGBT Community.Brasiliens. 2018 wurde sie ermordert. Eine Dokumentation widmet sich ihrer Geschichte.

Seit gut einer Woche hat Brasilien einen neuen Präsidenten: Jair Bolsonaro. Er hat sich in seinem Wahlkampf sehr deutlich gegen die LGBT-Community positioniert. Seine rechtspopulistischen Reden richteten sich gegen Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle aber genauso gegen Frauen im Allgemeinen und Menschen indigener Abstammung. Eine starke Kämpferin gegen diese Position war Marielle Franco, die im März 2018 erschossen wurde. Jetzt gibt es eine Dokumentation über ihre Witwe, Monica Franco.

Das Beeindruckende an der Dokumentation des Guardians über Marielle und vor allem über Monica, ihre Witwe ist, dass Monica trotz des Verlustes oder gerade durch den Verlust zu einer der wichtigsten Stimmen im Kampf gegen Sexismus und Rassismus in Brasilien geworden ist. Ihr wird diese Frage auch gestellt aber sie kann sie nicht beantworten, weil sie in Tränen ausbricht. An anderer Stelle hat sie dafür umso klarere Worte für ihren Willen: Monica Franco kämpft auch nach dem Tod ihrer Frau weiter, weil Hass nicht gewinnen werde, sagt sie, über die neue Gesellschaft, an die sie glaubt und für die sie sich bisher eingesetzt hat.

Mit vielen anderen Aktivisten ist sie auf den Straßen unterwegs - sie protestieren laut und sichtbar und sorgen dafür, dass die Erinnerung an Marielle nicht erlischt. Beispielsweise gibt es eine nach Marielle benannte Straße, deren Schild abgerissen wurde. Also haben Monica und ihr Team eine Demo organisiert und das Schild wieder angebracht. Oder sie ergreift bei einem Roger Waters Konzert - das ist der Sänger von Pink Floyd - das Mikro. Während die Menge skandiert: Nicht er und damit Bolsonaro meint, ruft Monica, dass schon 224 Tage vergangen sind - ohne eine Antwort der Regierung, wer Marielle umgebracht hat. Monica ruft: "Mirelle" und das Publikum antwortet: "Gerechtigkeit".

Die Unterstützung, die Monica bekommt, ist national und international groß. Jetzt hat Bolsonaro trotzdem die Wahl gewonnen. Die Dokumentation endet kurz nach der Wahl. Wir sehen Monica wie sie am Tag danach durch die verregnete Stadt fährt und sichtlich bedrückt ist. Aber eine Hoffnung hat sie: allein in die Stadtverwaltung von Rio de Janeiro sind neuerdings viele schwarze Frauen gewählt worden. Gerade durch den Kampf von Marielle und Monica haben sie die Dringlichkeit gespürt und den Mut gefasst, sich zur Wahl zu stellen. Wir werden also auch in Zukunft immer mehr von Monica und der LGBT-Community hören. Mitte Februar beispielsweise soll der Oberste Gerichtshof darüber entscheiden, ob Diskriminierung von LGBT in Zukunft bestraft wird.

Stand: 09.01.2019, 10:00