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Düstere Doku: "Lene Marie oder das wahre Gesicht der Anorexie"

Screenshot: ""Lene Marie oder das wahre Gesicht der Anorexie"

Flimmern - Sehenswertes aus Netz und TV

Düstere Doku: "Lene Marie oder das wahre Gesicht der Anorexie"

Von Nele Posthausen

Lene Marie Fossen war Fotografin und lebte mit der Krankheit Anorexia nervosa – auch bekannt als Magersucht. Die Norwegerin starb mit nur 33 Jahren in Folge ihrer Mangelernährung. Diese Dokumentation begleitet sie von ihrem Schaffenshöhepunkt bis zum Tod.

Wenn ein Mensch schlimme Krankheiten habe, dann bekäme er Mitleid, dachte Lene Marie Fossen. Aber bei Anorexie heiße es, sie müsse sich ja nur zusammenreißen. In Wahrheit war es mehr als das: Das Hungern hielt ihren Körper davon ab, in die Pubertät zu kommen. Lene Marie wollte damit die Zeit anhalten. Sie wünschte sich, immer in einem Stadium zu bleiben, in dem sich jemand um sie kümmern, bei ihre sein müsste: "Das Projekt ist misslungen, das mit dem Essen aufhören", schlussfolgerte sie vor laufender Kamera. "Das, von dem ich geglaubt habe, es wäre eine Lösung für meine Probleme, wurde zum eigentlichen Problem."

Lene Marie Fossen liebte den Stillstand

Die Zeit anhalten, das war das Thema ihres Lebens: Auch mit ihrer Fotografie hat Lene Marie Fossen versucht, den Stillstand einzufangen. Sie hatte Angst vor Veränderung und musste schließlich einsehen, selbst vergänglich zu sein. Anorexia nervosa ist eine der gefährlichsten psychischen Störungen. Sie trifft in Europa vor allem junge Frauen. Viele der Betroffenen begehen Selbstmord. Die derzeit angebotenen Behandlungsmethoden helfen nicht zu 100 Prozent.

Es ist ein Spagat zwischen Krankheit und Kunst

Die Dokumentation "Lene Marie oder das wahre Gesicht der Anorexie" versucht einen Spagat zwischen dem Portrait der Krankheit und dem Portrait von Lene Marie Fossen als talentierter, aufstrebender Fotografin. Der Film folgt der Ästhetik von Lene Maries Fotos, fällt sehr düster aus, zeigt über lange Strecken unkommentiert Fotos aus ihrem Werk, getragen von Musik der Singer-Songwriterin Susanne Sundfør.

Am Ende überleben die Bilder

Ruhig und nachdenklich begleitet die Kamera die norwegische Fotografin bei ihren größten Erfolgen, beobachtet ihre Arbeit auf der griechischen Insel Chios, wo sie sich frei fühlte. Spannend ist auch die Interaktion zwischen der kindlichen Fotografin und den Kindern, die von Flüchtlingsbooten auf der Insel Lesbos ankommen.

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Wer zuschaut, ist mit dabei, wie ausdrucksstarke Fotos entstehen. Wie Lene Maries Kamera direkte Blicke einfängt und sie zu Schwaz-Weiß-Aufnahmen mit starken Kontrasten erstarren. Diese Bilder sind es, die am Ende im Gedächtnis bleiben. So scheint Lene Maries Kunst die Krankheit zu überleben.

Stand: 28.07.2021, 06:00